Navigation

Darstellung anpassen

Service-Menü

Sprachversionen

Suche



Inhalt

Infothek

WCAG 2.0
Teil 4: Kontraste von Grafiken

12.06.2008

Worin unterscheiden sich die Kontrastanforderungen an Grafiken der WCAG 2.0 und des BITV-Tests?

Auf dieser Seite:

Die Anforderungen nach WCAG 1.0 und BITV-Test

Im BITV-Test werden die Kontraste von HTML-Text und Grafiken getrennt geprüft. Die Anforderungen an Grafiken sind etwas strenger als an HTML-Text: informative Grafiken müssen in jedem Fall eine Helligkeitsdifferenz von mindestens 125 erreichen, die niedrigere Schwelle von 110 wie bei HTML-Text gibt es nicht. Der Grund: Die Farben in Grafiken können nicht wie bei HTML-Schrift vom Nutzer angepasst werden.

Geprüft werden grundsätzlich alle informativen Grafiken - das sind insbesondere Schriftgrafiken, grafische Bedienelemente, Symbole und Diagramme. Nicht geprüft werden Logos und Photos (es sei denn sie sollen zeigen, wo Teile eines Geräts - zum Beispiel Bedienelemente - angeordnet sind).

Die Anforderungen nach WCAG 2.0

Wie schon in Teil 3: Kontraste von Schrift erläutert, wird der Kontrast in den WCAG 2.0 nach einer neuen Formel gemessen, der "Contrast Ratio".

Die WCAG 2.0 unterscheiden nicht mehr zwischen HTML-Schrift und Grafiken. Beide werden auf Level AA in Success Criterion 1.4.3 Contrast (Minimum) behandelt und müssen allgemein mindestens eine "Contrast Ratio" von 5:1 erreichen, bei großer Schrift ist 3:1 ausreichend. Auf Level AAA gelten höhere Kontrastanforderungen (7:1 und 5:1). Die genannten Mindestwerte können sich allerdings abhängig vom Feedback während der "Candidate Recommendation"-Phase noch ändern. Wie im BITV-Test gibt es eine Ausnahme für Logos und rein dekorative Grafiken.

Im Unterschied zum BITV-Test gelten die Kontrastanforderungen nur für Schriftgrafiken, nicht aber für andere wichtige grafische Elemente wie beispielsweise Linien, Säulen und Balken in Diagrammen oder Symbole. Die WCAG 2.0 Arbeitsgruppe erklärte auf Anfrage, es sei aus ihrer Sicht nicht möglich, diese Anforderungen ausreichend allgemein zu formulieren, ohne dabei die Gestaltungsfreiheit zu stark einzuschränken. Immerhin hat sie aber (bislang noch nicht geschriebene) Advisory Techniques eingeplant, in denen empfohlen wird, wichtige Nicht-Text-Elemente in Grafiken ausreichend kontrastreich zu gestalten ("Making icons using simple line drawings that meet the contrast provisions for text" und "Providing sufficient color contrast in graphs and charts").

Bewertung

Nachvollziehbar ist die auch im BITV-Test vorgesehene ausdrückliche Ausnahme von Logos, denn diese werden häufig nicht für das Internet gestaltet, es gibt sie bereits und ihre Änderung ist nicht ohne weiteres möglich.

Ebenfalls in Ordnung ist die höhere Einstufung von Textkontrasten auf Level AA. Ein guter Kontrast der Texte sorgt dafür, dass die vielen Benutzer mit weniger gravierenden Sehbehinderungen Webseiten in der allgemein üblichen Weise nutzen können, ohne vorher an den Farbeinstellungen herumbasteln zu müssen oder eine besser geeignete Spezialdarstellung auszuwählen. Zur Barrierefreiheit gehört das einfach dazu.

Allerdings halten wir es für problematisch, keinerlei Kontrastanforderungen für Nicht-Text-Elemente in informativen Grafiken zu definieren. Denn schwache Kontraste können die Nutzbarkeit insbesondere von Infografiken wie Balken-, Säulen- oder Tortendiagramme für Menschen mit Sehbehinderungen stark einschränken.

Sicher: es gibt komplexe informative Grafiken, beispielsweise detaillierte Landkarten, die mit vielen feinen Farbabstufungen arbeiten und tatsächlich nicht über die Farbwahl allein zugänglich gemacht werden können. Solche Darstellungen würden durch die umfassende Anwendung der Kontrastanforderungen quasi verboten, das wäre schon eine extreme Einschränkung der Gestaltungsfreiheit.

Aber es gibt eben auch sehr viele Fälle, in denen die Auswahl hinreichend kontrastierender Farben ohne Weiteres möglich ist und die Zugänglichkeit erheblich verbessern kann. Problemlos anwendbar sind die Kontrastanforderungen nicht allein auf Schriftgrafiken, sondern zum Beispiel auch auf einfache Standort-Skizzen (etwa mit einfarbigem Hintergrund, eingezeichneten Straßen, Straßennamen und einem Punkt für den Standort).

Was wird sich im BITV-Test ändern?

Auch für Grafiken wird wird der neue Algorithmus zur Messung der "Contrast Ratio" eingesetzt, sobald über den Mindestwert abschließend entschieden ist.

Falls die Beschränkung der Kontrastanforderungen auf Schriftgrafiken von der BITV übernommen wird, ist an dieser Stelle auch eine Abschwächung der Anforderungen des BITV-Tests erforderlich. Aus unserer Sicht sollte die BITV den WCAG 2.0 in diesem Punkt allerdings nicht folgen.

Links zum Thema

Inhaltsverzeichnis

Kommentar schreiben

Bitte füllen Sie alle Felder aus, die mit einem Sternchen (*) gekennzeichnet sind.
Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.