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Test des Monats Oktober 2011
89 Punkte f├╝r Bundesministerium f├╝r wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)

31.10.2011

In diesem Jahr feiert das Bundesministerium f├╝r wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sein 50j├Ąhriges Jubil├Ąum. Die Website informiert ├╝ber das Ministerium, Aufgaben, Ziele der Entwicklungspolitik und bietet Informationen zu den Partnerl├Ąndern sowie ├╝ber ein m├Âgliches Engagement eines jeden B├╝rgers.

Bundesministerium f├╝r wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) - Startseite

Startseite Bundesministerium f├╝r wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) (www.bmz.de)

Was haben wir getestet?

  1. Die Startseite.
  2. Eine Seite, die ├╝ber das Land Burkina Faso informiert. Auf dieser Seite haben Besucher die M├Âglichkeit, mit Hilfe kleiner verlinkter "i"-Icons zus├Ątzliche Erl├Ąuterungen und Quellenangaben einzublenden. Stellvertretend haben wir deshalb die Ansicht mit eingeblendeter Erl├Ąuterung "Anteil der Menschen, die in extremer Armut leben" mitgetestet.
  3. Die Kontaktseite mit Formularelementen.
  4. Eine Seite mit Videoinhalten.

Ergebnisse

Die Website macht auf den ersten Blick einen guten Eindruck. Im Test zeigen sich dann aber Schwachstellen bei der Tastaturbedienbarkeit, den Helligkeitskontrasten und bei den dynamisch eingeblendeten Inhalten.

Tastaturbedienbarkeit und Flash

Auf der Startseite des BMZ gibt es zwei Flash-Anwendungen: Ein animiertes Teaser-Karussel und einen Videoplayer.

Im Anschluss an den letzten Test des Monats wurden wir wegen unserer Bewertung der Tastaturbedienbarkeit von Flash-Inhalten im Firefox Browser kritisiert. Mit Ausnahme des Internet Explorers entsteht bei allen Browsern bei der Einbindung von Flash-Inhalten eine sogenannte Tastaturfalle. Wenn der Fokus einen Flash-Inhalt erreicht, ist es unm├Âglich, mit der Tastatur das Flash-Objekt wieder zu verlassen. Mit der Tab-Taste dreht man sich dann durch die Flash-Bedienelemente endlos im Kreis.

Dieses Verhalten tritt seit Firefox 4 auf. In vorherigen Versionen war es gar nicht m├Âglich, mit der Tastatur ein Flash-Objekt zu fokussieren. Hier konnte keine Tastaturfalle entstehen, da nur die HTML-Elemente erreichbar waren und es so unm├Âglich war, sich im Flash zu verfangen. Wir haben dieses Verhalten als Browserproblem betrachtet und deshalb nicht negativ bewertet.

Das ge├Ąnderte Verhalten im Firefox ist ungleich problematischer und erfordert eine Anpassung unserer Bewertungspraxis. Wenn Flash-Inhalte ├╝berhaupt nicht erreichbar sind, ist das in der Regel zu verschmerzen. Hier ist ja sowieso eine zug├Ąngliche Alternative erforderlich. Wenn man der Tastaturfalle aber gar nicht entkommen kann und so auch HTML-Inhalte unzug├Ąnglich werden, muss das negativ bewertet werden.

Ein Workaraound f├╝r das Flash-Problem

In den Techniken zu WCAG2 wird die Thematik in FLASH17: Bereitstellung eines Zugangs per Tastatur auf ein Flash-Objekt und Vermeidung einer Tastatur-Falle behandelt. Hier wird als m├Âglicher Workaround auf die ActionScript-Klasse SWFFocus verwiesen.

Der  Einsatz des Workarounds hat aber auch Nachteile und Einschr├Ąnkungen:

  • Der Workaround funktioniert nur mit Firefox. Die Browser Chrome, Safari, Opera etc. profitieren nicht davon.
  • Das ActionScript schreibt 2 sinnfreie leere Links in den HTML-Quelltext.
  • Der Workaround setzt ActionScript 3 voraus. Viele ├Ąltere Flash-Anwendungen k├Ânnen so nicht davon profitieren.
  • Zum Einbinden des ActionScripts muss der Quelltext des Flashobjekts bearbeitet werden. Bei vielen g├Ąngigen Flash-basierten Videoplayern oder extern eingebundenen Quellen (z.B. youtube-Videos) wird das nicht m├Âglich sein.

Diese Einschr├Ąnkungen sind nicht sch├Ân. Wegen der Schwere des Problems ist es aber aus unserer Sicht f├╝r Webseiten-Betreiber mit einem Anspruch auf Barrierefreiheit zumutbar, einen Workaround zu implementieren, wenn Flash eingesetzt wird.

Seiten mit Flash-Objekten, die im Firefox zu einer Tastaturfalle f├╝hren, werden deshalb ab sofort im Pr├╝fschritt 2.1.1a Ohne Maus nutzbar als "nicht erf├╝llt" bewertet. Eine Abwertung auf "schlecht zug├Ąnglich" halten wir f├╝r nicht notwendig. Letztlich bleibt das Ganze ein Browserproblem. Der Internet Explorer funktioniert in dieser Hinsicht einwandfrei.

Tastaturbedienbarkeit

Andere Probleme mit der Tastaturbedienbarkeit gibt es bei den dynamisch eingeblendeten Inhalten auf Seite 2. Diese k├Ânnen mit der Tastatur nicht geschlossen werden. Au├čerdem kann man die Reihenfolge der Tastaturbedienung nicht durchweg nachvollziehen. Tabbt man auf der Ausgangsseite durch die Seite, so verliert man aufgrund der nicht hervorgehobenen "i"-Links ├╝ber mehrere Positionen den Fokus. Klickt man auf einen dieser Links, so ├Âffnet sich eine neue Ansicht und man tabbt dann erst wieder durch die "i"-Links und den Quellenpfad im Hintergrund der Hauptseite, bevor man den Link in dem dynamisch eingeblendeten Inhalt erreicht. Wie schon erw├Ąhnt ┬ľ den Schlie├čen-Link kann man mit der Tastatur nicht erreichen.

Kontraste

Der Pr├╝fschritt "Kontraste f├╝r Texte ausreichend" fordert einen Mindestkontrast von 4,5:1 f├╝r normal gro├če Schriften. Im neuen BITV-Test wird au├čerdem akzeptiert, dass diese Kontrastanforderungen ├╝ber eine kontrastreichere Ansicht (Styleswitcher) erf├╝llt werden. Es m├╝ssen dabei jedoch verschiedene Bedingungen erf├╝llt werden:

  • Das Styleswitcher-Schaltelement muss deutlich erkennbar am Seitenbeginn positioniert sein und die Kontrastanforderungen von 4,5:1 sowie alle anderen Anforderungen der Barrierefreiheit erf├╝llen.
  • Die alternative kontrastreichere Ansicht muss dieselben Informationen und dieselbe Funktionalit├Ąt aufweisen wie die Ausgangsansicht.
  • Wenn die Anforderung nur ├╝ber eine alternative Ansicht erf├╝llt wird, muss auch die Ausgangsansicht hinreichende Kontraste (3.5:1 f├╝r normalen und 3:1 f├╝r gro├čen Text) haben.

Im Falle von BMZ gibt es solch eine alternative kontrastreichere Ansicht. Die Schaltfl├Ąche ist zu Beginn der Seite angeordnet und hat ausreichende Kontraste. Jedoch reichen die Kontraste in der Ausgangsansicht teilweise nicht aus. Der Grenzwert von 3,5:1 ist nicht immer erf├╝llt.

Videos

Auch in diesem Test haben wir uns ein Video n├Ąher angesehen. Es handelt sich dabei um ein Portrait der Walter-Scheel-Preistr├Ągerin Nia K├╝nzer. Das Video ist leider nicht untertitelt. Auf die nicht vorhandene Audiodeskription kann in diesem Fall jedoch auch verzichtet werden. Jedoch sollte erw├Ąhnt werden, dass es nach Abschluss des Tests ein neues Video auf der Startseite gibt, bei dem Untertitel vorhanden sind.


Internetadresse: www.bmz.de

Gepr├╝ft am: 31. 10. 2011
Testergebnis: 89 von 100 Punkten (eingeschr├Ąnkt zug├Ąnglich)

Testbericht mit allen Einzelbewertungen