Navigation

Service-Menü

Sprachversionen



Inhalt

BITV-Test: Kurzvorstellung

Der BITV-Test ist ein Prüfverfahren für die umfassende und zuverlässige Prüfung der Barrierefreiheit von informationsorientierten Webangeboten.

Die rechtliche Grundlage: BITV

Öffentliche Stellen des Bundes werden durch das Gesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen (BGG) zu barrierefreien Websites (Internet und Intranet) und mobilen Anwendungen (Apps) verpflichtet. Welche Anforderungen gelten, ist in der Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV) definiert. Die BITV basiert auf den Vorgaben der Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) der Web Accessibility Initiative (WAI). Aktuell wird die BITV überarbeitet: Sie wird zukünftig direkt auf eine Übersetzung der harmonisierten europäischen Norm EN 301 549 (PDF, 2 MB) verweisen, deren Abschnitt 9 (Web) die Erfolgskriterien der WCAG 2.1 einschließlich deren Konformitätsbedingungen (Abschnitt 9.5) wiedergibt.

Für öffentliche Stellen von Bundesländern und Gemeinden wird die Barrierefreiheit ihrer Websites und mobilen Anwendungen über die Landes-Behindertengleichstellungsgesetze geregelt, die ebenfalls entweder direkt auf die BITV verweisen oder auf ähnliche, länderspezifische Verordnungen.

Der BITV-Test

Das Instrument für die Prüfung der Barrierefreiheit von informationsorientierten Webangeboten ist der Anfang 2004 erstmals veröffentlichte BITV-Test. Entwickelt wurde der Test vom Projekt BIK in enger Abstimmung mit Behindertenverbänden, Webdienstleistern und Experten für Barrierefreiheit. Grundlage des Tests sind die Anforderungen und Bedingungen der BITV.

Der BITV-Test wurde seit 2004 mehrmals überarbeitet: Mehr dazu in der Rubrik Überarbeitungen des BITV-Tests.

Der BITV-Test umfasst aktuell 60 Prüfschritte. Zu jedem Prüfschritt gibt es ausführliche Erläuterungen, die sagen, was genau geprüft wird, warum das wichtig ist und wie in der Prüfung vorzugehen ist. Das Testverfahren ist vollständig offen gelegt. Bei veröffentlichten Tests sind auch sämtliche Einzelbewertungen zugänglich.

Zuverlässigkeit des Tests

Das Ergebnis eines BITV-Tests basiert auf Einschätzungen. Dies ist kein Mangel des Tests: Die Barrierefreiheit von Webangeboten hängt nicht allein von der Einhaltung formaler Regeln ab, ein aussagekräftiger Test muss also diese Grundlage haben.

Allerdings muss die Zuverlässigkeit sichergestellt werden. Testergebnisse sollen wiederholbar sein, unterschiedliche Prüfer sollen zu gleichen Ergebnissen kommen, um die Vergleichbarkeit und Nachprüfbarkeit zu gewährleisten.

  • Prüfbedingungen und Verfahren:
    Dafür wird zunächst der Rahmen gesetzt, in dem der Prüfer seine Einschätzung trifft. Das betrifft die Qualifikation des Prüfers, Kenntnisse und Erfahrungen in der Anwendung des Prüfverfahrens sind Bedingung. Das betrifft auch die Prüfumgebung. Festgelegt ist, welches Betriebssystem, welche Browser, welche speziellen Prüfprogramme im Einzelnen einzusetzen sind. Auch wichtig: die klare Abgrenzung des Prüfgegenstands.
  • Abstimmung von Entscheidungen:
    Die Prüfer sind in Teams eingebunden, mit den Vorgaben der Prüfverfahren nicht klar zu entscheidende Fälle werden dort diskutiert. Diese Auseinandersetzung ist zugleich Grundlage der kontinuierlichen Fortentwicklung der Prüfverfahren.
  • Vergleichbarkeit von Bewertungen:
    Das Prüfwerkzeug erlaubt den Zugriff auf alle vorangegangenen Bewertungen zu einzelnen Prüfschritten. Der Prüfer kann sich daran orientieren. Prüfer sollen Bewertungsspielräume in ähnlicher Weise nutzen, sie sollen Sachverhalte nicht "wohlwollend" oder "streng" einschätzen. Abschließende Prüfungen werden daher im Tandem von jeweils zwei Prüfern durchgeführt, die im ersten Schritt unabhängig voneinander bewerten und anschließend ihre Ergebnisse abstimmen.

Anwendung des Tests

Der BITV-Test ist Basis für die Zulassung in die Liste Sites & Agenturen, einer Liste mit vorbildlichen Webangeboten und mit Dienstleistern, die nachweislich barrierefreie Webangebote entwickeln können.

Webanbieter und Entwickler können sich an den Anforderungen des BITV-Tests orientieren. Ein entsprechendes Werkzeug für die entwicklungsbegleitende Bewertung eigener Webangebote steht seit Juli 2005 zur Verfügung: die Selbstbewertung. Die Nutzung des Werkzeugs ist kostenlos. Es kann eingesetzt werden, wenn die Vergleichbarkeit von Bewertungen nicht im Vordergrund steht.