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Test des Monats Januar 2008
82,75 Punkte (aber abgewertet) für mindestlohn.de

23.01.2008

Unser Testkandidat in diesem Monat ist eine Kampagnen-Website zu einem viel diskutierten aktuellen Thema: dem Mindestlohn. Wir haben geprüft, wie gut der von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten und der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di angebotene Webauftritt mindestlohn.de für Menschen mit Behinderungen zugänglich ist.

Abbildung der Startseite von mindestlohn.de

www.mindestlohn.de

Solide Basis

Obwohl der Auftritt keinen Anspruch auf Barrierefreiheit erhebt, verstehen die Macher offensichtlich viel von modernem, standardkonformen und zugänglichen Webdesign.

So bietet die Website zum Beispiel ein im Großen und Ganzen gut strukturiertes und skalierbares CSS-Layout bei fast vollständiger Trennung von Inhalt und Gestaltung. Leider verursachen allerdings einige wenige kleine Layouttabellen, die Verwendung des veralteten border-Attributs für das img-Element und die häufig fehlende Auszeichnung von einzelnen Absätzen (immerhin nur geringe) Punktabzüge.

Schade: keine der drei geprüften Seiten ist valide, Schuld ist lediglich ein kleiner Fehler in der Doctype-Deklaration.

Positiv fallen zahlreiche Details auf, die den Zugang für bestimmte Nutzergruppen deutlich erleichtern. Dazu gehören zum Beispiel versteckte Sprunglinks, die eingeblendet werden, wenn sie von Tastaturnutzern mit der Tabulator-Taste angesteuert werden. Ebenfalls angenehm für sehende Tastaturnutzer: die deutliche Hervorhebung von Links, wenn sie im Fokus sind. Der konsequente Einsatz des label-Elements zur Verknüpfung von Eingabefeldern mit ihren Beschriftungen hilft vor allem Screenreader-Nutzern, Formulare korrekt auszufüllen.

Trotz dieser und anderer positiver Eigenschaften erreicht der Auftritt mit 82,75 aber leider kein gutes Ergebnis. Grund sind vor allem folgende Mängel:

Probleme bei der Tastaturbedienung

Gerade angesichts der bereits erwähnten einblendbaren Sprunglinks und der angenehm deutlichen Fokus-Hervorhebung sehr schade: für Tastaturnutzer ist der Auftritt trotz dieser Hilfen kaum nutzbar, denn auf allen geprüften Seiten gibt es mindestens einen Link, an dem der Nutzer mit der Tastatur nicht vorbeikommt, ohne ihn zu aktivieren und damit ein neues Fenster zu öffnen.

Schuld ist der Einsatz des Javascript-Eventhandlers "onkeypress", der das Öffnen des neuen Fensters auslöst, sobald eine beliebige Taste gedrückt wird - auch wenn es die Tab-Taste ist und der Nutzer eigentlich nur weiter zum nächsten Link tabben wollte. "onkeypress" sollte deshalb nicht in dieser Form genutzt werden, der Eventhandler "onclick" allein reicht vollkommen aus, da er auch bei Tastaturnutzung funktioniert.

Aufgrund dieses für Tastaturnutzer gravierenden Mangels musste die nach Punkten eigentlich bessere Gesamtbewertung auf "schlecht zugänglich" abgewertet werden.

Fehlende Alternativtexte

Praktisch alle verlinkten Grafiken haben ein leeres alt-Attribut. Damit wollte der Anbieter sie vermutlich vor Screenreadern verstecken - eigentlich ein guter Gedanke, denn für Screenreadernutzer sind sie tatsächlich in den meisten Fällen überflüssig, da der Link fast immer direkt vor oder nach der Grafik in Textform wiederholt wird.

Allerdings funktioniert das verstecken mit alt="" bei verlinkten Grafiken nicht, denn Links werden von Screenreadern in jedem Fall ausgegeben. Steht kein Alternativtext zur Verfügung, wird entweder der Dateiname der Grafik oder die Ziel-URL vorgelesen - beide Varianten sind für den Nutzer nur in Ausnahmefällen praktisch.

Eine Lösung wäre, das Linkziel ganz knapp im Alternativtext zu nennen. Oder noch besser, weil frei von Redundanzen: die Grafik und den Linktext zusammen in einem gemeinsamen a-Element unterbringen, dann darf das alt-Attribut der Grafik auch leer bleiben.

Verbesserungspotential beim Ticker

Beim Javascript-Ticker auf der Startseite haben die Macher viel für die Zugänglichkeit unternommen. Der Ticker kann nach Bedarf mithilfe von Schaltflächen aus- und wieder eingeschaltet werden. Die Schaltflächen sind mit sinnvollen alt- und title-Attributen ausgestattet. Und wenn Javascript deaktiviert ist, werden die Meldungen dennoch angezeigt - nur eben statisch, ohne Bewegung.

Folgendes sollte allerdings verbessert werden:

  • Wenn der Benutzer die Ticker anhält, sollten alle Meldungen eingeblendet werden, damit sie auch für Nutzer lesbar sind, die mit der Bewegung nicht gut umgehen können - sei es weil sie Schwierigkeiten haben, die sich bewegenden Meldungen zu lesen oder weil sie sie mit der Maus nicht gut treffen.
  • Mit der Tastatur sind die Meldungen nur schwer bedienbar, der Nutzer muss unter Umständen mehrmals vor und zurück tabben, um eine bestimmte Meldung anzusteuern.
  • Die Darstellung aller Meldungen, die es ja jetzt auch schon für Nutzer ohne Javascript gibt, sollte verbessert werden. In der jetzigen direkten Aneinanderreihung ohne Punkt und Komma ist sie sehr unübersichtlich.

Fazit

Ein grundsätzlich gut gemachter Webauftritt mit einigen gravierenden Mängeln, die jedoch mit wenig Aufwand beseitigt werden könnten. Wir würden uns freuen, schon bald entsprechende Nachbesserungen und ein Ergebnis von über 90 Punkten hier auf bik-online.info melden zu können!


Internetadresse: www.mindestlohn.de
Geprüft am: 23.01.2008
Testergebnis: 82,75 von 100 Punkten (aber abgewertet auf "schlecht zugänglich")

Testbericht mit allen Einzelbewertungen auf bitvtest.de

Nachtrag vom 12.02.2008

Die Verantwortlichen haben sehr schnell auf das Testergebnis reagiert und folgende Korrekturen durchgeführt:

  • Alle getesteten Seiten sind valide. In einer Stichprobe wurden zusätzlich weitere Seiten getestet, die ebenfalls durchgehend valide sind.
  • In Layouttabellen werden keine th-Elemente mehr eingesetzt.
  • Tastaturnutzer bleiben nicht mehr in "Neues Fenster"-Links hängen (das Gesamtergebnis muss daher nicht mehr abgewertet werden).
  • Die Schrift in Formularfeldern ist auch im Internet Explorer skalierbar, es kommt nicht mehr zu Überschneidungen.
  • Die Überschriftenstruktur ist vollständig.
  • Die Meldungen des Tickers werden vollständig angezeigt, wenn der Ticker gestoppt wird. Auch ohne Javascript ist die Darstellung übersichtlich.
  • Jedes label-Element steht im Quelltext vor den zugehörigen Eingabefeld.
  • Es werden keine veralteten HTML-Attribute verwendet.
  • Das iframe hat sowohl ein title- als auch ein name-Attribut.

Bei einem erneuten Test würde mindestlohn.de voraussichtlich ein Ergebnis von über 90 Punkten erreichen und könnte damit als "gut zugänglich" bewertet werden.