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BaNu – ein neues Werkzeug zur Prüfung von Angeboten auf Barrierefreiheit und Gebrauchstauglichkeit

17.11.2010

BaNu (Barrieren finden, Nutzbarkeit sichern) ist ein neues Online-Werkzeug, das im Rahmen des Deutschen E-Government 2.0 Regierungsprogrammes entwickelt wurde. Das Ziel ist die Qualitätsbewertung von E-Government-Angeboten.

Sowohl Internet-Angebote, PDF- und Officedokumente als auch Client-Anwendungen können in BaNu geprüft werden. Es muss aber keine E-Government Anwendung sein: auch ganz normale Websites können geprüft werden, und zwar von jedem, und noch dazu kostenlos. Eine einfache Anmeldung (Hinterlegung einer Email-Adresse) reicht dafür aus.

Zur Prüfung der Qualität eines Angebots gehört natürlich nicht nur die Barrierefreiheit. BaNu vereint die Prüfung auf Barrierefreiheit mit anderen Aspekten, etwa der Gebrauchstauglichkeit und der technischen Architektur. Der Gesamtkatalog von Anforderungen in BaNu beruht auf einer Vielzahl von Standards aus den folgenden Bereichen:

  • Standards für E-Government-Angebote
  • Standards zur Qualitätssicherung
  • Standards zur Nutzungsfreundlichkeit
  • Standards zur Barrierefreiheit

Das hat zur Folge, dass eine Prüfung aller erfassten Kriterien recht umfangreich ist. Deshalb haben Nutzer die Möglichkeit, den gesamten Kriterienkatalog oder auch nur einen Aspekt zur Zeit zu prüfen. Auch die Tiefe der Prüfung lässt sich einstellen, etwa, ob nur auf Muss- oder auch auf Soll- und Kann-Anforderungen hin überprüft wird. Das Werkzeug führt dabei Nutzer Schritt für Schritt durch den gesamten Prozess. Am Ende steht ein Prüfbericht, der sich wiederum an die Zielgruppe anpassen lässt – etwa eine Management-Summary oder ein detaillierter Prüfbericht mir Kommentaren für Entwickler.

Vorentscheidungen auf dem Weg zur Prüfung

Kennzeichnend für BaNu ist eine Anfangssequenz, in der Prüfer Schritt für Schritt eine ganze Reihe von Festlegungen treffen:

  • ob sie ein Internet-Angebot, ein PDF oder eine Client-Anwendung prüfen wollen
  • ob sie Barrierefreiheit, Nutzungsfreundlichkeit oder beides zusammen prüfen wollen
  • wie detailliert sie prüfen wollen (Prioritäten Muss; Prioritäten Muss und Soll; oder Prioritäten Muss, Soll und Kann)
  • welche Werkzeuge ihnen zur Verfügung stehen (Browser, Toolbars, Farbwertmesser, Bookmarklets)
  • welchem Browser (Internet Explorer oder Mozilla Firefox) sie beim Prüfen den Vorrang geben wollen
  • was Bestandteil ihrer Prüfung sein soll (anwendungsübergreifende Prüfschritte, auf Einzelseiten bezogene Prüfschritte, die Prüfung spezieller Angebote wie Webshops oder Foren, und organisatorische Fragestellungen)

Erst dann folgt die Eingabe der URLs der zu prüfenden Seiten: Startseite und Kontaktseite sind immer dabei. Weitere Seiten können zusätzlich ausgewählt werden.

Der Aufbau der Prüfung selbst

Ab diesem Punkt sind Prüfer frei, die Prüfschritte in beliebiger Reihenfolge zu bearbeiten. Ebenfalls möglich ist es, durch die Weiter- und Zurück-Tasten sequenziell von Prüfung zu Prüfung zu springen. Bei der Rückkehr zur Übersicht wird dann durch einen Haken angezeigt, welche Prüfschritte schon bewertet wurden.

Die Prüfung muss nicht in einem Zug abgeschlossen werden: ein Zwischenzustand kann abgespeichert und die Prüfung zu einem anderen Zeitpunkt fortgesetzt werden. Was den Aspekt der Barrierefreiheit angeht, werden Kenner unschwer die bekannten Prüfschritte des BITV-Tests wiederentdecken. Die Übersicht erlaubt das Ein- und Ausklappen der Prüfschritte innerhalb der thematischen Bereiche – bei der Vielzahl der Prüfschritte eine gute Möglichkeit, tatsächlich den Überblick zu bewahren.

Einige umfangreichere BITV-Test Prüfschritte, wie die Prüfung von Alternativtexten von Bildern und Multimedia, sind bei BaNu in mehrere Prüfschritte aufgeteilt (siehe Abbildung 1).

Abbildung 1: BaNu, Übersicht der aktuellen Prüfung

Wenn aus der Übersicht ein einzelner Prüfschritt ausgewählt wird, erscheint dieser gegliedert durch die drei Reiter Prüfung | Hintergrund | Hinweis (siehe Abbildung 2).

Damit steht ganz pragmatisch die Prüfung selbst im Vordergrund; wer nicht weiß, wie er die Beschreibung umsetzen soll, kann sich bei Bedarf die Reiter "Hintergrund" und "Hinweis" ansehen. Die Informationen zum Hintergrund verweisen dann häufig auf die ausführlichere Prüfschrittbeschreibung im BITV-Test, die auch erklärt, warum etwas geprüft wird und weiterführende Quellen enthält.

Abbildung 2: Prüfschritt grafische Bedienelemente

Besonders nach Eingabe von Kommentaren besteht beim Nutzer anfänglich eine Unsicherheit, ob die Bewertung und eventuell hinzugefügte Kommentare automatisch gesichert werden, da es kein explizites Feld zum Sichern gibt – nur die "Zurück"- und "Weiter"-Tasten zu angrenzenden Prüfschritten und die Taste "Übersicht". Die Nutzung dieser Tasten sorgt tatsächlich dafür, das gemachte Einträge automatisch gespeichert werden, was letztlich zeitsparend ist. Sie sind auch im Bereich der Anwendung der einzige Weg, die Seite zu verlassen – allerdings mit Ausnahme des Feedback-Links. Wer also einen längeren Kommentar schreibt und dann, vor Bearbeitung des nächsten Prüfschrittes, den Link "Geben Sie uns Feedback zu diesem Prüfschritt" wählt, verliert den Kommentar-Eintrag. Hier besteht also noch geringfügiger Korrekturbedarf.

An einigen Stellen ist das Raster von BaNu ein wenig unflexibel. Bei unserem Probetest prüften wir die BITV-Test Website und als "spezielles Angebot" das Prüftool, also die BITV-Test-Anwendung. Beim Anlegen des Tests musste dann beim speziellen Angebot einer von zwei Typen ausgewählt werd

  • Kommunikationsorientiertes oder partizipatives Angebot
  • Transaktionsorientiertes Angebot oder Webshop

Beides schien auf unser Prüftool nicht so recht zu passen - eher ist es wohl noch ein transaktionsorientiertes Angebot, auch wenn die Abstimmungsphase der Tandemprüfungen natürlich Kommunikation mit einschließt. Wenn man sich so entscheidet, bekommt man dann aber irgendwann die Frage "Sind in den Webshop Basisfunktionalitäten integriert?" Da das Prüftool nichts verkauft, möchte man "nicht anwendbar" wählen. Diese Option ist aber deaktiviert, man muss also die unpassende Frage unbearbeitet lassen.

Die Bewertung

BaNu verzichtet bewusst auf die differenzierte und daher komplexere Bewertungsskala des BITV-Tests. Wenn eine zu prüfende Seite also eine bestimmte Anforderung nicht vollständig erfüllt, zum Beispiel einige Alternativtexte grafischer Bedienelemente das Linkziel nicht klar benennen, müssen sich Nutzer eben entscheiden, ob sie das Kriterium insgesamt als "Erfüllt" oder "Nicht erfüllt" bewerten. Weitere Optionen sind "Nicht Anwendbar" und "Nicht Bearbeitet".

Damit ist das Raster natürlich gröber als beim BITV-Test: das Hauptziel scheint vielmehr, Nutzern eine umfassende Checklist zur Hand zu geben, um Bereiche, in denen das Angebot Defizite hat, schnell zu identifizieren. Auf die Vergabe eines Punktwertes wie im BITV-Test wird bewusst verzichtet. Stattdessen liefert das Prüfergebnis es einem tabellarische Übersicht, wie viele Prüfschritte pro Bereich erfüllt und nicht erfüllt waren.

Nachhaltigkeit

Web-Angebote und die zugrunde liegende Techniken ändern sich fortlaufend. Zur kontinuierlichen Weiterentwicklung der bestehenden Prüfschritte gibt es in BaNu deshalb zu jeder Prüffrage eine Feedbackmöglichkeit für Nutzer. Auch mögliche Verständnisschwierigkeiten können so aufgenommen und in Änderungen der Prüfschritte berücksichtigt werden. Das ist ein guter Ansatz, um die Anwendung aktuell zu halten. (Wie schnell dann aktualisiert wird, ist natürlich eine andere Frage.)

Fazit

Die leichte Handhabung und die gute Gliederung der BaNu-Anwendung laden zum Ausprobieren ein. Dass die Komplexität der Prüfung und damit die Hemmschwelle durch sie vereinfachte und übersichtliche Darstellung erstmal verringert scheint, ist sicher gut, denn das bedeutet, dass Nutzer überhaupt in das Thema Barrierefreiheit einsteigen und mit diesem Blick ihr Angebot betrachten.


Internetadresse: www.banu.bund.de