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Fragen und Antworten

21.08.2007

Immer wieder in der Diskussion sind die Anforderungen an barrierefreie PDFs – hier einige Antworten.

Haben Sie selbst eine Frage zum Thema? Dann schreiben Sie bitte an kontakt@bitvtest.de!

Die Fragen:

Sind die Anforderungen des BITV-Tests an PDFs nicht zu hoch?

Grundsätzlich gibt es keinen Grund, in Sachen Barrierefreiheit niedrigere Anforderungen an PDFs zu stellen als an entsprechende HTML-basierte Angebote. Daher decken sich die Anforderungen an die Zugänglichkeit von PDFs in weiten Teilen mit den Anforderungen an HTML-Seiten. So werden beispielsweise die Strukturierung mit Überschriften-, Absatz- und Listen-Elementen, die korrekte Auszeichnung von Tabellen und die Bereitstellung von aussagekräftigen Alternativtexten bei PDF-Dokumenten genau so geprüft, wie bei HTML-Seiten.

Dennoch wäre es derzeit unrealistisch, bei der Prüfung von PDFs einen genau so hohen Maßstab anzulegen wie bei HTML. Die Prüfanforderungen wären dann praktisch nicht erfüllbar - teils wegen mangelhafter Erstellungssoftware, teils wegen mangelnder Erfahrung seitens der Webanbieter.

Deshalb werden im BITV-Test deutlich niedrigere Anforderungen an PDF-Dokumente gestellt als an HTML-Seiten:

  • Wegen unzugänglicher PDFs können im BITV-Test maximal 3 Punkte abgezogen werden.
  • Für HTML-Seiten gelten knapp 50 Prüfschritte, für PDF-Dokumente gibt es derzeit nur 10.
  • Es werden nur wichtige und mit vertretbarem Aufwand erfüllbare Basis-Anforderungen an Barrierefreiheit geprüft. Anforderungen, die derzeit nur sehr schwer zu erfüllen sind (wie beispielsweise die Auszeichnung andersprachiger Wörter), sind nicht Bestandteil des Tests.

Besonders aufwändig ist oft die nachträgliche barrierefreie Aufbereitung von PDFs. Für viele Anbieter ist es in der Praxis kaum möglich, alle bereits vorhandenen PDFs nachträglich zugänglich zu machen. Auch das wird im BITV-Test berücksichtigt: Wer neu eingestellte PDFs in barrierefreier Form anbietet und den Benutzer klar und verständlich darüber informiert, welche PDFs zugänglich sind und welche nicht, kann den Prüfschritt trotz umfangreicher "PDF-Altlasten" voll erfüllen.

Klar muss aber sein: auch bei PDFs ist die Barrierefreiheit nicht zum Nulltarif zu haben.

  • Schon bei der Erstellung von Dokumenten müssen die Anforderungen der Barrierefreiheit berücksichtigt werden. Redakteure müssen entsprechend qualifiziert sein, Arbeitsabläufe müssen möglicherweise umgestellt werden.
  • Geeignete Software für die Konvertierung in das PDF-Format muss beschafft werden. Wenn es die nicht gibt, muss per Hand nachgearbeitet werden.
  • Je komplexer und aufwändiger gestaltet ein PDF-Dokument ist, desto schwieriger ist es, alle Anforderungen des BITV-Tests zu erfüllen.

Alles wie bei HTML-Seiten!

Links dazu

der PDF-Prüfschritt des BITV-Tests "11.1.1 - Angemessene Formate"

(28.02.2007)


Warum verlangt der BITV-Test zwingend Tags? Auch nicht getaggte PDFs sind oft recht gut per Screenreader nutzbar.

Genau wie bei HTML-Seiten sind Tags auch in PDF-Dokumenten die Voraussetzung dafür, dass Inhalte unabhängig von ihrer visuellen Darstellung auf dem Bildschirm benutzbar sind. Die Strukturierung mit Tags ist unabhängig vom Dateiformat eine der wichtigsten Grundlagen für Barrierefreiheit.

Da die meisten PDFs im Web nicht getaggt sind, verfügt die PDF-Lesesoftware Adobe Reader über die Fähigkeit, "on the fly" eine Tagstruktur zu erzeugen. Dabei errät das Programm anhand des Layouts, in welcher Reihenfolge die Inhalte ausgegeben werden müssen und versucht Überschriften, Listen, Absätze und Tabellen anhand der Schriftgestaltung zu identifizieren.

Das funktioniert aber selbst bei einfachen Textdokumenten nicht immer, denn die Bedeutung von Gestaltungsmitteln ist manchmal nicht eindeutig. Und bei komplexeren Layouts (zum Beispiel mit mehreren Spalten und eingestreuten Textkästen) steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Inhalte fehlerhaft strukturiert und in falscher Reihenfolge präsentiert werden. Dem Nutzer bleibt nur das Ausprobieren, er kann sich nicht darauf verlassen, dass ihm die Inhalte korrekt ausgegeben werden.

Im BITV-Test wird geprüft, ob der Webanbieter seinen Beitrag zur Barrierefreiheit geleistet hat, ob also das PDF selbst barrierefrei ist. Nicht geprüft wird die Fähigkeit bestimmter PDF-Reader und Screenreader, auch schlecht zugängliche Dokumente bis zu einem gewissen Grad für blinde Nutzer lesbar zu machen. Denn das reicht nicht aus!

(02.03.2007)


Ist für die Erstellung barrierefreier PDFs zwingend Adobe Acrobat Professional erforderlich?

Zwingend erforderlich ist Adobe Acrobat Professional, wenn das aus einem Textverarbeitungs- oder Layoutprogramm exportierte PDF kontrolliert oder nachbearbeitet werden muss.

  • Kontrolliert werden muss das PDF, wenn nicht sichergestellt ist, dass im Quelldokument alles richtig gemacht worden ist. Das ist eine Frage der Qualifikation der Autoren oder der Vorab-Überprüfung des Quelldokuments.
  • Nachbearbeitet werden muss das PDF, wenn das Konvertierungsprogramm nicht in der Lage ist, aus einem mängelfreien Quelldokument ein barrierefreies PDF zu erzeugen.

Die Frage ist also, ob der PDF-Export des eingesetzten Textverarbeitungs- oder Layoutprogramms mit hinreichender Zuverlässigkeit barrierefreie PDFs erzeugt.

Leider funktioniert die Konvertierung aus gängigen Programmen wie Microsoft Word, OpenOffice oder Adobe InDesign derzeit noch nicht gut genug, konvertierte PDFs müssen beinahe immer in Adobe Acrobat nachbearbeitet werden.

Zwei Beispiele:

  • Nach der PDF-Konvertierung aus der deutschen Version von Word 2003 muss die Rollenzuordnung der Überschriften korrigiert werden, da sie fälschlicherweise dem Tag <P> für Absätze zugeordnet werden.
  • Bei OpenOffice 2.2 gibt es Probleme bei der Auszeichnung von Listen, die Tags für die Listeneinträge werden falsch verschachtelt und müssen per Hand verschoben werden.

Immerhin ist die Nachbearbeitung meist mit wenigen Klicks erledigt, wenn bereits bei der Erstellung des Quelldokuments auf Barrierefreiheit geachtet wurde. Richtig ist aber: die heute verfügbaren Erstellungs- und Konvertierungsprogramme sind noch nicht ausreichend leistungsfähig, für die Erstellung barrierefreier PDFs kommt man tatsächlich nicht um den Einsatz der teuren und umständlich zu bedienenden Software Adobe Acrobat Professional herum.

Das ist sicher sehr unbefriedigend. Seit Jahren hört man, die Bevorzugung der HTML sei veraltet, PDFs seien genauso barrierefrei. Und dann zeigt sich, dass nicht einmal elementarste Bedingungen für die Erstellung barrierefreier PDFs erfüllt sind.


Sind MS-Word-Dokumente als Alternativen zu PDFs geeignet?

Microsoft Word kann für die Erstellung barrierefreier Dokumente genutzt werden. Das Programm bietet so genannte Formatvorlagen für Überschriften, Listen und Abschnitte. Gedacht sind diese Vorlagen zunächst nicht für die Strukturierung, sondern für die einheitliche Gestaltung von Dokumenten. Aber das, was da gestaltet wird, ist ja in aller Regel die Struktur des Dokuments: Die Formatvorlagen legen fest, wie Überschriften, Listen, Textabschnitte oder andere Strukturelemente aussehen sollen. Wenn der Autor sie in diesem Sinne zweckmäßig einsetzt, dann sind die Formatvorlagen auch strukturierend, wie die entsprechenden Auszeichnungen in HTML. Die Struktur eines Word-Dokuments ist dann unabhängig von der Darstellung auf dem Bildschirm verfügbar, wie bei einer gut strukturierten HTML-Seite.

Auch in der Praxis sind im Word-Format bereitgestellte Inhalte oft gut zugänglich. Teilweise sogar besser, als HTML-Seiten: Im Unterschied zu gängigen Browsern unterstützt die Textverarbeitung Microsoft Word die Navigation auf Basis der Dokumentstruktur. Die "Gliederungsansicht" zeigt ein auf Basis der Überschriften erstelltes Inhaltsverzeichnis, jeder Benutzer kann die Vorteile der logischen Strukturierung sehen und nutzen.

Dazu kommt: viele blinde Benutzer sind mit Microsoft Word gut vertraut, sie kommen mit im Word-Format bereitgestellten Dokumenten sehr viel besser klar, als mit PDFs.

Bei Angeboten, die sich speziell an blinde Benutzer richten, macht es also auf jeden Fall Sinn, PDF-Dokumente zusätzlich im Word-Format anzubieten. Fraglich ist aber die Angemessenheit und Eignung des Formats für allgemein ausgerichtete Webangebote:

  1. Gemäß BITV sind "öffentlich zugängliche und vollständig dokumentierte Technologien" zu verwenden. Ob die proprietären Microsoft-Formate diese Anforderung erfüllen, ist zumindest strittig. Und das ist keine bloß theoretische Barriere. Es gibt keine Diskussion um die barrierefreie Aufbereitung von Word-Dokumenten, niemand kann genau sagen, welche Anforderungen ein barrierefreies Word-Dokument erfüllen müsste.
  2. Gemäß BITV müssen die verwendeten Technologien "für die Erfüllung der angestrebten Aufgabe angemessen" sein. MS-Word ist nicht für das Lesen, sondern für die Erstellung und Bearbeitung von Texten gedacht. Entsprechend mächtig ist das Programm. Benutzer, die technisch nicht besonders versiert sind und einen Virenbefall ihres Rechners vermeiden wollen, sollten im Word-Format angebotene Dokumente unbekannter Anbieter daher lieber nicht laden.

Im Sinne der BITV barrierefrei ist das Word-Format also nicht, es ist für zum Lesen ins Web gestellte Inhalte nicht angemessen. Inhalte, die sich an ein allgemeines Publikum richten und nicht bearbeitet werden müssen, sollten (auch) in einem anderen Format verfügbar sein.

Wobei wie bei PDFs auch bei Word-Dokumenten gilt: entscheidend ist nicht das Format, sondern die barrierefreie Aufbereitung der Inhalte. Aus gut strukturierten Word-Dokumenten generierte PDFs brauchen keine Alternative, sie sind (bei Verwendung brauchbarer Konvertierungsprogramme) selbst barrierefrei.

(27.03.2007)


Ist das RTF eine bessere Alternative?

Das RTF (Rich Text Format) wurde von Microsoft für den Austausch von Daten zwischen unterschiedlichen Textverarbeitungsprogrammen entwickelt. Es ist wie HTML ein textbasiertes Format, das erleichtert den Austausch zwischen unterschiedlichen Betriebssystemen.

Es ist daher zu empfehlen, für im Web veröffentlichte Word-Dokumente statt dem Word-Dateiformat das RTF zu verwenden. Vermutlich sind die Dokumente dann besser zugänglich.

Erheblich ist der Unterschied aber nicht, und zwar aus zwei Gründen:

  1. Das Word-Dateiformat ist etabliert. Die meisten Textverarbeitungssysteme und Viewer unterstützen es. Auch der Wechsel in andere Betriebssysteme ist möglich. Programme, die RTFs laden können, haben meist auch mit im Word-Format abgespeicherten Dateien kein Problem.
  2. Eine echte Loslösung vom Word-Dateiformat ist mit dem Abspeichern als RTF nicht gegeben. Denn bei längeren Texten kommt es darauf an, dass auch die Strukturierung erhalten bleibt. Und zwar nicht nur gestalterisch, sondern auch "logisch". Dafür reicht es nicht aus, dass ein Programm (wie zum Beispiel WordPad) prinzipiell RTFs lesen kann. Wenn es aus einem RTF die Word-spezifischen Formatvorlagen herauslesen soll, muß es auch mit genau diesen Vorlagen vertraut sein.

(30.03.2007)


Warum eignet sich das PDF schlechter für barrierefreie Webangebote als HTML?

Das PDF war zunächst nicht (wie HTML) für den einfachen Austausch von Informationen gedacht, die Funktionen für Barrierefreiheit sind nachträglich ergänzt worden. Das macht sich auch heute noch bemerkbar: Inhalt und Darstellung sind nicht getrennt, so etwas wie einen HTML-Quelltext gibt es nicht. Nach wie vor existiert auch kein Programm, mit dem man gezielt nur die über Tags strukturierten Inhalte aus einem PDF herausziehen könnte.

Wichtiger sind aber die praktischen Schranken:

  1. Viele Anbieter wissen nicht, wie sie die Barrierefreiheit von PDFs sicherstellen können. Wenn es um HTML-Seiten geht, ist mittlerweile klar, dass dafür geeignete Redaktionssysteme eingesetzt, Arbeitsabläufe und Zuständigkeiten entsprechend festgelegt werden müssen. Dass dies auch bei PDFs erforderlich ist, hat sich noch nicht herumgesprochen.
  2. Und das ist nicht nur eine Sache der Information. Wer versucht, die Anforderungen der Barrierefreiheit rechtzeitig - also schon bei der Erstellung - zu berücksichtigen, stößt auf erhebliche Schwierigkeiten. Die Konvertierungsfunktionen gängiger Textverarbeitungs- und Layoutprogramme sind mangelhaft, selbst bei einfachen Dokumenten kann die Barrierefreiheit nicht ohne Nachbearbeitung mit dem umständlich zu bedienenden Adobe Acrobat Professional sichergestellt werden.
  3. Besser ist die Situation bei der Nutzersoftware. Die neueste Version des Screenreaders JAWS kommt immerhin recht gut mit barrierefrei aufbereiteten PDFs zurecht. Aber auch hier ist die Unterstützung noch unvollständig und nicht stabil - und die meisten anderen Hilfsmittelanbieter sind längst nicht so weit.
  4. Schließlich die Anwender selbst: Sie haben häufig schlechte Erfahrungen mit unzugänglichen PDFs gemacht, denn die meisten im Web angebotenen PDFs sind schlecht zugänglich. Viele Anwender meiden also das Format, kennen sich mit der Lesesoftware Adobe Reader nicht aus, kommen auch mit gut aufbereiteten, barrierefreien PDFs nicht zurecht.

Das muss nicht so bleiben. Auch bei HTML hat es ja (trotz der weit besseren Voraussetzungen) viele Jahre gedauert, bis die Voraussetzungen für die barrierefreie Bereitstellung, Pflege und Nutzung geschaffen waren. Aber heute gilt:

PDFs sind für die barrierefreie Bereitstellung von Informationen schlechter geeignet als HTML. Wenn die besonderen Eigenschaften von PDFs nicht unbedingt gebraucht werden, dann ist die Verwendung dieses Formats aus Sicht der Barrierefreiheit unangemessen.

(15.05.2007)


Warum muss die Reihenfolge in PDFs zwei mal festgelegt werden?

Die Tagstruktur soll die Inhalte des PDFs in eine logische Ordnung bringen. Sie legt fest, in welcher Reihenfolge die Texte von einem Screenreader vorgelesen werden.

Mit der Umfließen-Reihenfolge legt man fest, in der welcher Reihenfolge die Inhalte des PDFs angezeigt werden, wenn man im Acrobat Reader die Umfließen-Funktion aufruft. Diese Funktion wird genutzt, um Texte mit vergrößerter Schrift und neuem Zeilenumbruch anzuzeigen.

Die Umfließen-Reihenfolge ist unabhängig von der Reihenfolge der Tags, bei komplizierteren Dokumenten können Abweichungen vorkommen. Es kann also sein, dass ein perfekt getaggtes PDF nicht mit vergrößerter Schrift zu benutzen ist.

Muss das sein, ist eine zweite Reihenfolge wirklich nötig? Das ist sicher eine berechtigte Frage. Alle wichtigen Inhalte sollten in der Tagstruktur aufgehoben sein, eine linearisierte Umfließen-Ansicht könnte sicherlich auch auf Basis der Tags bereit gestellt werden (ähnlich wie eine HTML-Seite mit deaktivierten Stylesheets). Erheblich sind die Vorteile einer von der Tagstruktur unabhängigen zweiten Ordnung der Seiteninhalte sicher nicht.

Eine Alternative steht im Adobe Reader aber nicht zur Verfügung: Sehende können die Tagstruktur eines Dokuments nicht nutzen, sie sind auf die Umfließen-Reihenfolge angewiesen.

(25.05.2007)


Das PDF ist mit dem automatischen Tagging des Adobe Reader 8 gut nutzbar, warum reicht das nicht aus?

Das Ergebnis des automatischen Taggings ist nicht verlässlich. Es ist ein Ratespiel, man kann nicht davon ausgehen, dass die Algorithmen gleich bleiben und (zukünftig) auch in andern Readern eingesetzt werden.

Praktisch bedeutet das:

  1. Niemand weiß, ob ein vom Adobe Reader 8 gut getaggtes Dokument auch mit Nachfolgeversionen gut zu nutzen ist. Adobe wird den Tagging-Mechanismus sicher nicht verschlechtern, ein Nachfolger wird also im Durchschnitt genauso gut oder besser taggen. Aber das gilt nicht für jedes einzelne Dokument, Änderungen können sich da auch negativ auswirken.
  2. Erst recht gilt das für Konkurrenzprodukte. Andere Reader können in ein paar Jahren sicher auch taggen. Vielleicht unter dem Strich genauso gut, aber in den Einzelheiten doch anders. An manchen Stellen wird etwas wagemutiger von Gestaltungsmerkmalen auf die Struktur geschlossen, an anderer Stelle ist man vorsichtiger als Adobe. Das in jedem Einzelfall "richtige" Ergebnis gibt es nicht.

In der Produktion kann der Einsatz des automatischen Taggings natürlich nützlich sein. Wenn das Ergebnis gut ist, kann es (gegebenenfalls nach manuellen Korrekturen) festgehalten, also in das Dokument übernommen werden. Aber abschieben auf den Nutzer oder den Reader lässt sich das Tagging nicht.

(29.06.2007)


Ungetaggte PDFs sollen manchmal besser zu benutzen sein als PDFs mit Tag-Strukturen. Stimmt das?

Ja, das stimmt. Wie für HTML-Seiten gilt auch für PDFs: Barrierefreiheit per Knopfdruck gibt es nicht, die Existenz von Tags ist daher für sich genommen noch kein Merkmal von Barrierefreiheit.

Praktisch bedeutet das:

Nur wenn das Ausgangsdokument strukturiert und die Leistungsfähigkeit des eingesetzten Konvertierungstools bekannt ist, wenn man also weiß, dass das Ergebnis des automatischen Taggings gut ist, sollte die entsprechende Checkbox beim Export angeklickt werden.

Andernfalls verschlechtert das automatische Tagging beim Export die Benutzbarkeit des PDFs. Es täuscht vor, da sei etwas für Barrierefreiheit getan worden. Der Reader folgt den mangelhaften Tags des Dokuments, statt seine für schlecht zugängliche PDFs optimierten Regeln anzuwenden. Oder, was noch schlimmer wäre: er geht irgendwann dazu über, die Tags in Dokumenten grundsätzlich nicht mehr zu beachten.

(06.07.2007)


Wer ist verantwortlich für die Barrierefreiheit von PDF-Dokumenten?

Einfache Antwort: der Anbieter, der im Impressum der Website steht, ist verantwortlich. Er hat entschieden, die Dokumente im Web zu veröffentlichen, er sollte sich also um ihre Zugänglichkeit kümmern. Ob der Anbieter die PDF-Dokumente selbst erstellt hat, spielt keine Rolle. Er muss dafür sorgen, dass auch seine "Lieferanten" die Anforderungen der Barrierefreiheit einhalten.

Eigentlich auch klar: Nicht verantwortlich ist der Anbieter für Inhalte, die woanders veröffentlicht worden sind, auf die er nur einen Link gesetzt hat.

Das Problem: Bei PDF-Dokumenten ist manchmal nicht offensichtlich, wer sie veröffentlicht hat und verantwortlich ist. Denn sie sind individuell gestaltet, oft auch auf eigenen Webservern abgelegt. Der Anbieter sollte also bei PDFs darauf achten, dass klar ist, welche Inhalte ihm zuzurechnen sind und welche nicht. Das sollte aus dem Linktext (oder seinem Umfeld) hervorgehen und im PDF selbst sollte eine entsprechende Quellenangabe stehen. Wenn beides fehlt, werden im BITV-Test Inhalte dem Webanbieter zugerechnet, der auf sie verweist.

(11.07.2007)


Müssen Printbroschüren auch barrierefrei sein? Sie gehören eigentlich gar nicht zum Webangebot, werden dort nur zum Download angeboten.

Gegenfrage: gibt es einen guten Grund, den Zugang zu solchen Broschüren auf nichtbehinderte Benutzer zu beschränken? Den gibt es in der Regel nicht, deshalb sollten Anbieter, die das Web für die Verbreitung ihrer Informationen nutzen, auch in Sachen Barrierefreiheit die neuen Möglichkeiten dieses Mediums nutzen.

Auch ist die Unterscheidung von für den Ausdruck und für die Nutzung im Web vorgesehenen Informationsangeboten in den seltensten Fällen möglich oder sinnvoll. Die über das Web verbreiteten "Printbroschüren" werden auch am Bildschirm genutzt, denn das ist weniger umständlich, die Vergrößerung ist einfacher oder man spart Papier. Und umgekehrt ist es üblich, Webseiten zum Lesen auszudrucken, zunehmend wird hierfür auch eine passende Gestaltung angeboten.

Die vorgesehene Verbreitung über das Internet sollte also bereits bei der Erstellung der Broschüre berücksichtigt werden, sie muss im Normalfall die Anforderungen der Barrierefreiheit erfüllen.

(13.07.2007)


Die Inhalte sind eigentlich nicht neu. Müssen Flyer trotzdem barrierefrei sein?

Flyer sind meist Zusammenfassungen der wichtigsten Informationen zu einem Projekt, einem Produkt oder einer Organisation. Die Frage ist also, ob dieses Angebot, die handliche Zusammenstellung barrierefrei verfügbar ist. Es reicht nicht aus, dass man sich die Inhalte theoretisch auch selbst aus dem Webangebot zusammensuchen könnte.

(13.07.2007)


Und wenn die PDFs dann einfach entfernt werden? Zu hohe Testanforderungen können dazu führen, dass Inhalte einfach aus dem Webangebot herausgenommen werden.

Richtig ist: auch ein schlecht nutzbares PDF ist meist besser zugänglich als eine Printbroschüre. Wenn es Text enthält, dann ist es immerhin vorlesbar. Und selbst wenn der Text nur als Abbildung enthalten ist, braucht man immerhin kein Lesegerät. Die Buchseiten sind schon abfotografiert, können per Schrifterkennung in Text verwandelt werden.

Aber wie sollte ein Test die angesprochene Gefahr berücksichtigen? Sollte er die Wichtigkeit des Angebots einschätzen, bei besonders unverzichtbaren Informationsangeboten vorsichtshalber geringere Anforderungen an die Barrierefreiheit stellen? Das ist wohl nicht praktikabel.

(13.07.2007)


Einige weitere Fragen mit engerem Bezug zum BITV-Tests sind dem PDF-Prüfschritt 11.1.1 zugeordnet. Unter anderen:

Kommentare zu diesem Artikel

Detlev Fischer, BIK Testentwicklung

www.testkreis.de

Mo. 15.10.2012
08:42 Uhr

Leider konnte die Arbeit an der zweiten Säule des BITV-Tests noch nicht abgeschlossen werden. Bis auf Weiteres steht deshalb nur das Verfahren nach Prüfschritt 11.1.1 Angemessene Formate des alten BITV-Tests zur Verfügung.

Christoph Moneke

www.bibb.de

Do. 04.10.2012
15:21 Uhr

Ist der "Prüfschritt 11.1.1 Angemessene Formate" immer noch gültig oder gibt es mittlerweile die getrennte Säule "PDF-Prüfung"? Denn in den aktuellen Prüfschritten der BIK ist die pdf-Prüfung ja garnicht mehr enthalten: http://www.bitvtest.de/bitvtest/das_testverfahren_im_detail/pruefschritte.html

Detlev Fischer, BIK Testentwicklung

www.bitvtest.de

Mi. 29.06.2011
15:25 Uhr

Wir bereiten zur Zeit (Juli 2011) die PDF-Prüfung als zweite, getrennte Säule des BITV-Tests vor. Der Entwurf wird voraussichtlich im September veröffentlicht und zur Diskussion gestellt werden. Bis dahin gilt (auch nach Inkrafttreten der BITV 2 und der Aufnahme des neuen BITV-Tests) das Verfahren nach Prüfschritt 11.1.1 Angemessene Formate.

Hardy Merz

Mi. 29.06.2011
14:36 Uhr

gibt es neuere Beiträge und Erkenntnisse zum Thema Barrierefreie PDF's?


 

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