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Content Management Systeme
Einkaufsführer barrierefreies CMS

28.09.2006

Die Eignung des Content Management Systems (CMS) ist eine wichtige Voraussetzung für barrierefreie Webangebote. Und zwar negativ wie positiv: ältere CMS erzeugen selbst Barrieren, sie verhindern Barrierefreiheit. Auf der anderen Seite können CMS die nachhaltige Barrierefreiheit entscheidend unterstützen.

Das Projekt "Einkaufsführer barrierefreies CMS" soll Kriterien für die Eignung von CMS entwickeln. Die Kriterien sollen auch für Nichtfachleute klar und einfach zu handhaben sein, deswegen die Bezeichnung "Einkaufsführer".

Der folgende Zwischenbericht beschreibt den Ansatz und den aktuellen Stand des Projektes.

Auf dieser Seite:

Die Anforderungen

Was zeichnet ein barrierefreies CMS aus, welche Anforderungen sollte es erfüllen?

  1. Das CMS ist Arbeitsmittel von Redakteuren und Webadministratoren. Es soll also selbst barrierefrei bedienbar sein, auch für behinderte Mitarbeiter sollte es möglich sein, Inhalte des Webangebotes zu pflegen. In den ATAG 1.0 (Leitlinien des W3C für Autorensysteme) sind die betreffenden Anforderungen unter Leitlinie 7 zusammengefasst.
  2. Ein barrierefreies CMS ermöglicht die Erstellung barrierefreier Webangebote. Auch heute noch ist dies ein wichtiges Auswahlkriterium. Denn viele CMS sind nach wie vor für barrierefreie Webangebote schlecht geeignet, weil sie Barrierefreiheit verhindern. Sie produzieren veralteten oder nicht validen Code, verwenden keine Styles, stellen Funktionen bereit, die nur mit Javascript funktionieren oder halten andere wichtige Anforderungen der Barrierefreiheit nicht ein. In den ATAG sind entsprechende Anforderungen unter der etwas missverständlich benannten Leitlinie 1 zusammengefasst.
  3. Aber das ist nur die Mindestvoraussetzung, das CMS sollte die Erstellung und Pflege barrierefreier Webangebote auch unterstützen. CMS werden eingesetzt, um Webinhalte für Redakteure oder andere Nichttechniker bearbeitbar zu machen. An dieser Stelle müssen die Anforderungen der Barrierefreiheit wirksam eingebracht werden. In den ATAG befassen sich die Leitlinien 2 bis 6 mit entsprechenden Funktionen.

1. Das CMS ist selbst barrierefrei

Zur ersten Anforderung, der barrierefreien Bedienbarkeit des CMS:

Für CMS mit Webinterface bedeutet diese Anforderung: das CMS sollte die Anforderungen der BITV erfüllen, es sollte nach den Kriterien des BITV-Tests gut zugänglich sein.

CMS sind komplexe Anwendungen, die Aussagekraft des BITV-Tests ist für solche Anforderungen noch nicht so gut abgesichert wie für klassische, eher informationsorientierte Webangebote. Daher sollte die Nutzbarkeit wenn möglich auch durch Praxistests überprüft worden sein.

Die meisten CMS sind derzeit weit davon entfernt, barrierefrei bedienbar zu sein. Für die Prüfung der Eignung bedeutet das: Auch erste Ansätze zur Unterstützung der barrierefreien Bedienbarkeit sind von Interesse, unter Umständen auswahlentscheidend.


2. Das CMS ermöglicht Barrierefreiheit

Zur zweiten Anforderung: Welches CMS ermöglicht Barrierefreiheit? Aussagekräftige Antworten auf diese Frage sollten drei Bedingungen erfüllen:

Es sollte klar sein, was unter "Barrierefreiheit" verstanden wird. Denn das ist die Grundlage für die Einschätzung der prinzipiellen Eignung von CMS. Insbesondere Selbstauskünften von Anbietern liegt häufig ein veraltetes und eingeschränktes Verständnis von Barrierefreiheit zugrunde. Der angelegte Maßstab für Barrierefreiheit muss offengelegt und akzeptiert sein.

Es sollte klar sein, auf welches Anwendungsfeld sich die Aussage zur Eignung des CMS bezieht. Denn Webangebote stellen unterschiedliche Anforderungen, es macht keinen Sinn, ein vorkonfektioniertes System für kleinere Webangebote mit offenen, auch für große Webangebote mit Tausenden von Seiten geeigneten CMS zu vergleichen. Es gibt daher keine allgemeine Antwort auf die Frage, welches CMS denn aus Sicht der Barrierefreiheit zu empfehlen ist.

Die Eignung sollte praktisch nachgewiesen sein.

Info über eingesetzte CMS

Diese drei Bedingungen sind nicht schwer zu erfüllen. Mit dem von BIK entwickelten BITV-Test steht ein bewährter und anerkannter Maßstab für die Bewertung der Barrierefreiheit von Webangeboten zur Verfügung. Ebenfalls bewährt und anerkannt ist das für den BIENE-Wettbewerb der Aktion Mensch entwickelte Prüfverfahren. Die beiden Verfahren sind nicht deckungsgleich, sie kommen aber zu ähnlichen Ergebnissen.

Die meisten in BITV-Tests als gut oder sehr gut zugänglich bewerteten Webangebote sind CMS-basiert, auch viele im BIENE-Wettbewerb ausgezeichnete Webangebote nutzen CMS. Für diese CMS gilt: sie haben sich praktisch bewährt, sie ermöglichen für das betreffende Anwendungsfeld Barrierefreiheit.

Wenn ein CMS für ein ähnliches Anwendungsfeld gesucht wird, dann sind solche Ergebnisse aussagekräftig. Ein CMS, das seine Brauchbarkeit praktisch bewiesen hat, kommt eher in Frage als ein CMS, das noch kein Webangebot zur BIENE oder in die 95plus-Liste gebracht hat.

Man müsste also wissen, welche CMS den als gut bewerteten oder ausgezeichneten Webangeboten zugrunde liegen.

CMS der 95plus-Einträge

Für die in neueren Tests der Woche gut bewerteten Webangebote haben wir die entsprechenden Informationen eingeholt, ebenso für die in die Liste 95plus aufgenommenen, als "sehr gut zugänglich" bewerteten Webangebote. Dort ist die Information über eingesetzte CMS auch im Überblick verfügbar, man kann sich die gesamte Liste entsprechend sortiert anzeigen lassen. Der aktuelle Stand:

  • 13 Angeboten liegt kein CMS zugrunde. Überwiegend sind das kleine Referenzen, zum Beispiel eigene Webauftritte der Agenturen.
  • 13 Angeboten liegen Eigenentwicklungen zugrunde, die in der Regel eine Zusammenarbeit mit der betreffenden Agentur voraussetzen und nicht als eigenständige Produkte angeboten werden.
  • 6 Webangebote sind mit Typo3 realisiert,
  • 4 Webangebote verwenden webEdition,
  • 2 kleinere Webangebote verwenden WordPress,
  • 8 weitere CMS sind mit jeweils einem Webangebot vertreten.
Aussagekraft der Info

Was sagen diese Zahlen aus? Kann man jetzt zum Beispiel sagen: Typo3 ist offensichtlich für barrierefreie Webangebote am besten geeignet? So einfach ist es nicht, die Aussagekraft der vorliegenden Testergebnisse ist eingeschränkt:

  1. Wie schon gesagt: Nachgewiesen ist die prinzipielle Eignung des eingesetzten CMS tatsächlich nur für das Anwendungsfeld des geprüften Webangebotes. Die Übertragbarkeit ist nicht sicher, man muss damit rechnen, dass andere, vom geprüften Webangebot nicht benötigte Funktionen des CMS nicht barrierefrei sind.
  2. Man sieht dem Ergebnis den Beitrag des CMS nicht an. Man sieht nicht, ob das CMS schon gute Voraussetzungen mitgebracht hat oder umfangreiche Modifikationen und Ergänzungen erforderlich waren. Man weiß nicht, ob auch eine andere Agentur mit akzeptablem Aufwand ein solches Ergebnis erreichen kann. Die ausführende Agentur ist also nicht nur bei den Eigenentwicklungen immer dabei, wer sicher gehen will, muss sie mit einkaufen.

Es kommt auf das Anwendungsfeld an, es kommt auf die Agentur an. Das ist so, spricht also nicht gegen den Verweis auf Referenzen als Nachweis. Es muss nur klar sein, welche Aussagekraft die Referenzen haben. Es gibt aber noch eine andere, grundsätzlichere Einschränkung der Aussagekraft:

Die meisten bislang vorliegenden Testergebnisse mit gutem oder sehr gutem Ergebnis haben Webangebote zum Gegenstand gehabt, die grundlegend neu entwickelt oder gerade erst in Hinblick auf Barrierefreiheit neu überarbeitet worden sind. Bei den Einreichungen für Wettbewerbe ist klar: in diesem Zeitraum wird geprüft, entscheidend ist, dass in diesen Wochen oder Monaten alle Anforderungen erfüllt sind. Die Ergebnisse sagen also wenig oder nichts über die Nachhaltigkeit des erreichten Standes von Barrierefreiheit.

Und selbst wenn das Webangebot im laufenden Betrieb getestet worden ist, man also annehmen kann, dass das Angebot die Anforderungen der Barrierefreiheit auch nachhaltig erfüllt, ist ein Rückschluss auf Qualitäten des CMS nicht ohne weiteres möglich. Denn das Testergebnis sagt ja nicht, wie die Barrierefreiheit auf Dauer gesichert worden ist. Ob das CMS nachhaltige Barrierefreiheit gut unterstützt oder eine entsprechend qualifizierte und engagierte Redaktion die Hauptlast trägt und Schwächen des Systems ausgleicht, ist dem Ergebnis nicht anzusehen.

Um hier Aussagen machen zu können, um zu wissen, welches CMS die Barrierefreiheit im laufenden Betrieb gut unterstützt, muss man sich das CMS selbst ansehen.


3. Das CMS unterstützt die nachhaltige Barrierefreiheit

Eine erste Unterstützung von Barrierefreiheit durch das CMS wurde schon angesprochen: das CMS macht es dem Webdesigner oder Entwickler mehr oder weniger leicht, etwas Barrierefreies zustande zu bringen. Im Folgenden geht es nur um die zweite, für die nachhaltige Sicherung der Barrierefreiheit wichtige Unterstützung: CMS werden eingesetzt, um Webinhalte für Redakteure oder andere Nichttechniker bearbeitbar zu machen. An dieser Stelle müssen die Anforderungen der Barrierefreiheit wirksam eingebracht werden.

Wir sehen vier Ansätze für die Unterstützung der nachhaltigen Barrierefreiheit.

  1. Das CMS grenzt Verantwortungsbereiche ab,
  2. das CMS übernimmt automatisierbare Aufgaben,
  3. das CMS erinnert an Anforderungen der Barrierefreiheit und
  4. das CMS unterstützt die Strukturierung von Inhalten.
1. Abgrenzung von Verantwortungsbereichen

Das CMS legt Verantwortungsbereiche fest und sichert darüber die Trennung von Inhalt und Darstellung. Der Redakteur ist für die Ergänzung oder Bearbeitung von Inhalten zuständig, die Gestaltung fällt nicht (oder jedenfalls nicht zwingend) in seine Verantwortung.

Das ist der erste, quasi beiläufige Beitrag des CMS zur nachhaltigen Sicherstellung der Barrierefreiheit. Es ermöglicht die Festlegung allgemeiner Gestaltungsvorgaben, legt fest, wer diese Vorgaben modifizieren kann, sichert die Qualität und damit auch die Barrierefreiheit der in der täglichen Pflege der Inhalte nicht änderbaren und nicht änderungsbedürftigen Vorgaben und Vorlagen. Das betrifft

  • vordefinierte Gestaltungselemente,
  • Vorlagen für Seitentypen und
  • das Navigationssystem.

Wobei man sagen muss: es handelt sich so weit nicht um besondere Anforderungen der Barrierefreiheit. Jedes CMS leistet das mehr oder weniger gut, unabhängig von der Ausrichtung auf Barrierefreiheit.

Wenn die Vorgaben von Designern und Entwicklern die Anforderungen der Barrierefreiheit erfüllen und solange sie nicht selbst angepasst werden müssen, ist bei einem guten, leistungsfähigen CMS mit der allgemeinen Zweckbestimmung des CMS, also ungeachtet einer besonderen Ausrichtung auf Barrierefreiheit, die Erfüllung von immerhin 22 Prüfschritten des BITV-Tests weitgehend sichergestellt.

2. Automatisierbare Aufgaben übernehmen

Das CMS übernimmt automatisierbare Aufgaben. Auch das ist ein allgemeines Merkmal, das erst mal nichts mit Barrierefreiheit zu tun hat. Jedes leistungsfähigere CMS stellt Benutzeroberflächen für die Administration und für die Pflege der Daten bereit. Es entlastet den Redakteur von Aufgaben, die es selbst erledigen kann.

Der Redakteur legt zum Beispiel fest, welche Textbestandteile Überschriften oder Listen sein sollen. Mehr muss er nicht machen, er muss sich nicht als HTML-Programmierer betätigen, muss nicht wissen, wie die von ihm eingebrachte Daten codiert oder abgelegt werden. Das CMS führt seine Anweisungen aus, es setzt sie um in validen, den gültigen Spezifikationen entsprechenden Code.

So sollte es jedenfalls sein.

Eine zweite Aufgabe, die das CMS vollständig übernehmen kann, ist die Übertragung von Inhalten in andere Formate. Der Redakteur gliedert den Text, definiert seine logische Struktur. Das bleibt seine Aufgabe, er muss sicherstellen, dass die Inhalte strukturiert sind und die Struktur unabhängig von der Darstellung verfügbar ist. Aber den Rest kann das CMS erledigen. Es sorgt zum Beispiel dafür, dass beim Import von Texten aus MS Word alle auch in HTML unterstützten Strukturmerkmale erhalten bleiben, dass nichts unnötig verloren geht.

Damit sind die beiden wichtigsten vom CMS vollständig zu erfüllenden Anforderungen genannt:

  • Der Code ist valide, er entspricht den aktuell geltenden Spezifikationen.
  • Logische Strukturmerkmale gehen bei der Übertragung von Texten in andere Formate nicht verloren.

Zwei wichtige Bedingungen für Barrierefreiheit, Anforderungen, deren Erfüllung durch das CMS eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte. Die meisten CMS erfüllen sie aber bislang noch nicht.

3. An Anforderungen der Barrierefreiheit erinnern

Der dritte Beitrag des CMS zur nachhaltigen Barrierefreiheit: es erinnert den Redakteur an Anforderungen der Barrierefreiheit oder es fordert ihn auf, bestimmte Aufgaben zu erledigen.

Die bekannteste Unterstützung dieser Art: wenn der Redakteur ein Bild einfügt, fordert das CMS ihn auf, eine Textalternative bereitzustellen. Die ATAG schlagen bei den verschiedensten Checkpunkten vor, die Barrierefreiheit durch Aufforderungen oder Erinnerungen zu fördern. Auch das Prüftool "Bobby" oder andere automatische Prüftools versuchen, die Barrierefreiheit durch umfangreiche Listen möglicher Verstöße gegen Anforderungen der Barrierefreiheit zu fördern.

Der Nutzen solcher Erinnerungen ist fraglich. Entscheidend ist die Qualifikation des Redakteurs. Wenn er nicht verstanden hat, wofür zum Beispiel die Alternativtexte gebraucht werden oder wenn die Erstellung von Alternativtexten nicht seine Aufgabe ist, dann ist die Erinnerung des CMS nutzlos. Und andernfalls, wenn der Redakteur qualifiziert ist und die Bereitstellung von brauchbaren Textalternativen zu seinen Arbeitsaufgaben gehört, im Grunde ebenfalls.

Auch eine Art von Erinnerung an Forderungen der Barrierefreiheit ist die Bereitstellung unterschiedlicher Sichten: Die bearbeitete Webseite wird so gezeigt, wie sie einem behinderten Benutzer erscheint, also zum Beispiel ohne Farben oder ohne die für die Anordnung auf dem Bildschirm vorgesehenen Gestaltungsvorgaben. Nützlich sind solche Sichten für die Qualifikation von Redakteuren, denn sie veranschaulichen den Sinn und Zweck der Anforderungen der Barrierefreiheit.

Bei insgesamt 15 Prüfschritten des BITV-Tests kann das CMS Anforderungen der Barrierefreiheit bestenfalls in Erinnerung rufen. Das verdeutlicht die Grenzen der Leistungsfähigkeit von CMS. Der Redakteur muss in Sachen Barrierefreiheit qualifiziert sein, daran hängt bei diesen Prüfschritten die Nachhaltigkeit.

4. Die Strukturierung von Inhalten unterstützen

Der vierte Beitrag des CMS: es stellt für den Redakteur Werkzeuge bereit, die ihn bei der barrierefreien Aufbereitung von Inhalten unterstützen.

Hier geht es also nicht um Aufgaben, die das CMS dem Redakteur abnehmen kann, sondern um Aufgaben (oder Teilaufgaben), die beim Redakteur verbleiben. Dazu gehört die Strukturierung von Texten oder Tabellen und die Sprachauszeichnung, eventuell auch die Strukturierung von Formularen oder von Bereichen des Webangebotes.

Es soll für den Redakteur leicht möglich sein, Inhalte im Sinne der Barrierefreiheit richtig zu strukturieren. Die entsprechenden Funktionen sollen integriert sein, sie sollen dort verfügbar sein, wo er sie braucht. Und der Redakteur soll, wenn er fertig ist oder wenn er Texte von anderen bearbeitet, leicht feststellen können, ob alles gut gemacht ist.

Was sind im Detail die Anforderungen an entsprechende Werkzeuge für die Strukturierung von Texten, Tabellen oder Formularen, wie sollten sie funktionieren?

Leider gibt es da bislang sehr wenig anerkannte Materialien und Grundlagen. Wie das Endergebnis aussieht, ist klar. Die entsprechenden Anforderungen und Bedingungen der WCAG oder BITV sollen erfüllt sein. Wie man das im Prinzip machen kann, ist auch klar, entsprechende Quellcode-Beispiele kann man in verschiedenen Lehrbüchern zum Barrierefreien Webdesign nachlesen. Aber wie ein Werkzeug aussehen sollte, das Nicht-Techniker bei der richtigen Strukturierung von Inhalten unterstützt, dazu gibt es wenig Erkenntnisse.

Auch die ATAG 1.0 bleiben überwiegend allgemein, wenn es um die Unterstützung beim Strukturieren geht. In den Techniken zu Guideline 3:

Help the author create structured content (...) as required by the following WCAG10 checkpoints.

Dann werden die WCAG-Checkpunkte aufgelistet, die etwas mit Strukturierung zu tun haben. Die weitergehenden Hinweise, zum Beispiel zur Strukturierung von Tabellen:

Promt the author to provide header information for tabular data. (...) Ask the author to group columns, rows, or blocks of cells that are related.

Der Redakteur soll also aufgefordert werden, alles richtig zu machen. Eine große Unterstützung ist das sicher nicht - zu klären ist, ob das CMS wirklich nicht mehr leisten kann.


Beispiele für die Unterstützung beim Strukturieren

Drei Leistungen des CMS kann man bei der Unterstützung der Strukturierung unterscheiden:

  1. Es befreit die Aufgabe von allen automatisierbaren Bestandteilen,
  2. es stellt alle erforderlichen Strukturelemente zur Verfügung und
  3. es zeigt dem Redakteur, wie der Inhalt aktuell ausgezeichnet ist, macht die vorhandenen Auszeichnungen handhabbar. (Die visuelle Darstellung soll die logische Struktur vermitteln. Es kann aber auch sinnvoll sein, den Arbeitsgegenstand so zu zeigen, wie er einem Benutzer mit besonderen Anforderungen erscheinen würde.)
1. Aufbau von Seiten
  1. Denkbare formale Unterstützung: alle Inhalte sind in der Seitenstruktur aufgehoben, neu eingebrachte Inhalte sind zum Beispiel, solange der Redakteur nichts Näheres festgelegt hat, automatisch als Abschnitte ausgezeichnet. Oder es werden nur im Kontext passende Strukturierungselemente angeboten. Wenn der Redakteur zum Beispiel etwas markiert hat, das keine Überschrift sein kann, dann steht auch die entsprechende Auszeichnung für Überschriften nicht zur Verfügung.
  2. Die für die Strukturierung vorgesehenen Elemente müssen im Eingabeeditor zur Verfügung stehen und der Redakteur muss alle Erfordernisse der Strukturierung mithilfe dieser Elemente erfüllen können.
  3. Die Struktur des Textes oder der Seite wird gezeigt, der Redakteur kann sehen, wie die Seite logisch strukturiert ist. Er kann die vorhandenen Strukturelemente ansteuern und bearbeiten. Das bedeutet: die Markierung von Textpassagen folgt den vorhandenen Auszeichnungen, man markiert nicht Textstücke, sondern Überschriften, Zitate, Abschnitte.
2. Sprachauszeichnung
  1. Die Sprachauszeichnung einzelner Wörter und Wortfolgen kann mit vertretbarem Aufwand nur durch teilweise Automatisierung sichergestellt werden: Wortlisten werden hinterlegt, das CMS schlägt auf Basis dieser Listen Wörter zur Auszeichnung vor, der Redakteur kann diese Vorschläge annehmen oder verwerfen.

    Eine Kleinigkeit, die aber für die Brauchbarkeit der Unterstützung recht entscheidend ist: man muss auch Wortfolgen hinterlegen können. Denn die Sprache ist unter Umständen erst im Kontext eindeutig, die Hinterlegung von Wortfolgen verringert also den Korrekturbedarf und sie vermeidet überflüssige Sprachwechsel.

  2. Allerdings sind recht viele Wörter nicht eindeutig einer bestimmten Sprache zuzuordnen, eine vollständige Automatisierung der Sprachauszeichnung ist nicht möglich. Die zweite Grundvoraussetzung ist also, dass Wortfolgen oder Absätze ausgezeichnet werden können.
  3. Und schließlich muss das Ganze auch bearbeitbar sein. Der Redakteur sieht vorgeschlagene und manuell eingefügte Sprachauszeichnungen, kann sie unterscheiden, ansteuern, korrigieren.
3. Einfache Datentabellen
  1. Es ist nicht nötig, dass der Redakteur einfache Datentabellen selbst entwirft, also zum Beispiel Zellen markiert und festlegt, dass sie Überschriften sein sollen.
  2. Es gibt 5 Typen einfacher Tabellen, für die sollte das CMS korrekt ausgezeichnete Vorlagen zur Verfügung stellen.
  3. Schwierig ist bei einfachen Datentabellen die korrekte Festlegung der zweiten Überschriftenreihe. Denn die logische Auszeichnung kann hier nicht immer der vorgesehenen (und intuitiv auch richtigen) Gestaltung für den Bildschirm folgen. Das betrifft insbesondere Tabellen, bei denen eine der Überschriftenreihen zugleich auch Werte enthält, bei denen das W3C daher die Auszeichnung mit scope vorsieht. Gestaltet sind solche Tabellen häufig mit nur einer Überschriftenreihe. Für die Nutzung per Screenreader wird aber fast immer auch eine zweite Überschriftenreihe benötigt. Das CMS kann die richtige Auszeichnung zum Beispiel durch die abgestufte Hervorhebung der beiden Überschriftenreihen unterstützen.

Fazit

Welches CMS ermöglicht Barrierefreiheit? Information über die von gut zugänglichen Webangeboten eingesetzten CMS ist im Moment die beste Auswahlhilfe. Denn die prinzipielle Brauchbarkeit muss für bestimmte Anwendungsfelder geklärt und nachgewiesen werden und die Eignung hängt auch ab von Vorerfahrungen und Vorarbeiten der ausführenden Agentur. Die praktischen Ergebnisse sind der beste Nachweis, gerade wegen dieser beiden Einschränkungen.

Zur weitergehenden Unterstützung der nachhaltigen Barrierefreiheit:

  • Die Unterstützung durch Abgrenzung von Verantwortungsbereichen ist eher ein allgemeines Qualitätskriterium, Kernaufgabe aller CMS.
  • Die Unterstützung durch Automatisierung ist wichtig, aber anscheinend nirgends realisiert. Das sieht man daran, dass nach wie vor kaum ein Webangebot durchgängig valide ist.
  • Die Unterstützung durch Erinnerung, mehr oder weniger unübersehbare Warnungen oder Eingabeaufforderungen bringt nicht viel. Sie ist meist nicht ausreichend oder überflüssig.
  • Die Unterstützung beim Strukturieren ist sicher die wichtigste Grundlage für nachhaltige Barrierefreiheit.

Wie geht es weiter? Entwickelt wird ein Fragebogen mit Schwerpunkt auf

  • der barrierefreien Eingabe,
  • der Automatisierung formaler Bedingungen der Barrierefreiheit und
  • den Strukturierungshilfen.

Vorerst wird dieser Fragebogen als Auswahlhilfe allerdings von eingeschränktem Nutzen sein. Denn kaum ein CMS ist auch nur in Ansätzen barrierefrei bedienbar, und bislang werden auch die Möglichkeiten zur Unterstützung der nachhaltigen Barrierefreiheit nur von wenigen CMS wahrgenommen.


Anhang

Zuordnung der Prüfschritte des BITV-Tests zu den vier Unterstützungskategorien
1. Abgrenzung von Verantwortungsbereichen

Die Einhaltung der folgenden Prüfschritte kann vom CMS durch Abgrenzung von Verantwortungsbereichen nachhaltig sichergestellt werden:

2. Automatisierung

Die Einhaltung der folgenden Prüfschritte kann vom CMS durch Automatisierung nachhaltig sichergestellt werden:

3. Erinnerung

Die hier zugeordneten Prüfschritte betreffen (teilweise gestaltete) Inhalte. Hier kommt es drauf an: wenn die Inhalte zum vorgegebenen Rahmen gehören, kann das CMS ihre Einhaltung nachhaltig sicherstellen, sie gehören so weit in die erste Kategorie. Anders, wenn der Redakteur selbst gestaltete Inhalte, zum Beispiel Abbildungen, Banner, Diagramme einbringt. Dann kann das CMS zur Einhaltung der hier zugeordneten Prüfschritte kaum etwas beitragen, die nachhaltige Barrierefreiheit hängt an der Qualifikation der Redakteure.

Die folgenden Prüfschritte betreffen grafisch ausgeführte Bestandteile des Seitenrahmens und der Navigation, aber auch vom Redakteur eingebrachte gestaltete Inhalte:

Die folgenden beiden Prüfschritte betreffen in erster Linie das Layout, ihre Einhaltung ist durch die Abgrenzung der Verantwortungsbereiche weitgehend gesichert. Aber auch der Redakteur kann die lineare Nutzbarkeit durch Bezüge auf Seiteninhalte beeinträchtigen. Beispiel: "Die linke Abbildung zeigt ... "

Der BITV-Test prüft die Verständlichkeit der Inhalte nicht. Das ist der wichtigste Bereich, in dem ein CMS nicht mehr leisten kann, als an Anforderungen der Barrierefreiheit zu erinnern. Der folgende Prüfschritt wird im BITV-Test nur auf allgemeine Navigationsbestandteile angewendet, erfasst also nur einen kleinen Teilbereich der Verständlichkeit. Auch der Redakteur kann unter Umständen Seiten mit allgemeinen Bezeichnern ergänzen.

4. Unterstützung der Strukturierung

Vortrag für den Erlanger Webkongresses am 28. und 29. September 2006

28.09.2006 | Autor: Michael Zapp