Navigation

Darstellung anpassen

Service-Menü

Sprachversionen

Suche



Inhalt

Überarbeitung von Prüfschritten im Jahr 2009

Das übergreifende Ziel der Prüfschritt-Überarbeitung im Jahr 2009 ist die Angleichung an die neuen WCAG 2.0 — und zwar überall dort, wo die WCAG-2-Anforderungen der aktuell noch geltenden BITV nicht widersprechen. Eine weitere Überarbeitung der Prüfschritte wird erfolgen, wenn die derzeit in Arbeit befindliche neue BITV 2.0 in Kraft tritt.

Schwerpunkte der Überarbeitung sind:

  • Skalierbarkeit und Kontraste
  • Strukturierung mit Überschriften
  • HTML-Validierung
  • Neuer Captcha-Prüfschritt

Weitere Aktualisierungen des Testverfahrens betreffen die einzusetzenden Browser und Prüfwerkzeuge:

Am 16. Oktober 2009 sind die im folgenden beschriebenen Änderungen in Kraft getreten.

Prüfschritt 3.4.2 "Bei Zoom auf 200% benutzbar"

Die sicherlich auffälligste Änderung betrifft den Prüfschritt 3.4.2, der bisher den Titel "Bei geringer Bildschirmauflösung lesbar" trug und forderte, dass das Layout von Webseiten möglichst auch in einem kleinen Browserfenster von 800x600 vollständig angezeigt wird, ohne dass der Nutzer quer scrollen muss. Dieser Prüfschritt ist durch die WCAG 2.0 nicht mehr gedeckt und wird ersetzt durch den neuen Prüfschritt "Bei Zoom auf 200% benutzbar", in dem es um die Zoom-Funktion geht, mit der in neueren Browsern das komplette Layout (und nicht nur die Schrift) skaliert werden kann.

Prüfschritt 3.4.1 "Schriftgröße variabel"

Um die Vergrößerbarkeit auch in etwas älteren Browsern ohne Zoomfunktionalität sicherzustellen, bleibt der Prüfschritt 3.4.1 "Schriftgröße variabel" weitgehend erhalten. Hier geht es nach wie vor um die klassische Nur-Text-Vergrößerung, die gegenüber der neuen Komplett-Zoom-Funktion ihre eigenen Vor- und Nachteile hat.

Es wird wie bisher nur eine Vergrößerbarkeit auf 150% verlangt (und nicht auf 200% wie im Zoom-Prüfschritt), dafür wird jedoch geprüft, ob nach der Vergrößerung in einem Browserfenster von 1024x768 der Fließtext lesbar bleibt, ohne dass der Benutzer zeilenweise quer scrollen muss. Diese Anforderung ist wichtig für die praktische Nutzbarkeit von vergrößerten Webseiten.

Prüfschritt 2.2.2 "Helligkeitskontraste von Grafiken ausreichend"

Der Prüfschritt 2.2.2 "Helligkeitskontraste von Grafiken ausreichend" benutzt nun die neue contrast ratio Formel der WCAG 2.0, die auch in der Prüfung von Schriftkontrasten Anwendung findet. Nach den WCAG 2.0 ist nur noch die Kontrast-Prüfung von Schriftgrafiken gefordert. Allerdings gibt es einen Hinweis darauf, dass auch Grafiken kontrastreich sein sollen: "Although this Success Criterion only applies to text, similar issues occur for data presented in charts or graphs. Good color contrast should also be provided for data presented in these forms." (Understanding SC 1.4.3).

Prüfschritt 2.3.1 "Helligkeitskontraste von Texten ausreichend"

Im Prüfschritt 2.3.2 "Helligkeitskontraste von Texten ausreichend" wird nun nicht mehr unterschieden nach Haupttexten und sonstigen Texten (zum Beispiel Menüs oder Navigationsbereiche). Stattdessen gibt es für Texte unter 18 Punkt (14 Punkt bei fetter Schrift) die Anforderung an ein Kontrastverhältnis von 4,5:1. Bei größeren Texten (Überschriften) reichen 3:1. Gemessen wird nach der neuen contrast ratio-Formel der WCAG 2.0.

Links zum Thema:

Prüfschritt 3.5.1 "HTML-Strukturelemente für Überschriften"

In diesem Prüfschritt geht es um die Erschließung der Seiteninhalte mit HTML Überschriften. In Zukunft prüfen wir hier zusätzlich den korrekten Einsatz von WAI-ARIA document landmarks („Orientierungspunkte“ im Screenreader Jaws) . Die document landmarks können die Zugänglichkeit einer Webseite deutlich verbessern, weil sie es ermöglichen, für bestimmte Bereiche einer Seite Rollen (zum Beispiel "navigation" oder "main") zu definieren. Mit Hilfe dieser Orientierungspunkte kann im Screenreader die Übersichtlichkeit deutlich verbessert werden. Auch ist es möglich, Orientierungspunkte gezielt anzusteuern, zum Beispiel, wenn ein Nutzer auf einer Seite direkt zur Hauptnavigation springen will.

Die document landmarks erfüllen also den gleichen Zweck wie die (versteckten) Überschriften zur Erschließung der Seitenstruktur, die bislang und auch weiterhin in diesem Prüfschritt gefordert werden.

Weil aber noch nicht alle Browser- und Hilfsmittel die document landmarks unterstützen, fordern wir ihren Einsatz nicht. Die landmarks sollten momentan nur zur Ergänzung bewährter Techniken, wie zum Beispiel der Einsatz versteckter Überschriften, eingesetzt werden.

Wenn document landmarks eingesetzt werden, prüfen wir, ob die Rollenzuordnung korrekt und nachvollziehbar ist.

Prüfschritt 3.2.1 "Valides HTML"

Der Prüfschritt „Valides HTML“ ist bislang einer der wenigen Prüfschritte im BITV-Test, dessen Bewertung keinen Spielraum für Diskussionen zulässt. Das Ergebnis des W3C Validators ist entweder positiv oder negativ.

Durch den oben beschriebenen Einsatz der WAI-ARIA document landmarks ist hier jedoch eine Ausnahmeregelung notwendig. Zur Zeit wertet der HTML Validator des W3C den Einsatz von document landmarks und anderen WAI-ARIA Rollen, Zuständen, Eigenschaften und Attributen als Fehler. Die der Validierung als Basis dienenden Dokumenttypdefinitionen (DTD) wurden noch nicht um die WAI-ARIA Spezifikationen erweitert. Das wird spätestens dann passieren, wenn WAI-ARIA ein offizieller W3C Standard ist. Momentan hat WAI-ARIA noch den Status eines "Last Call Working Draft". Trotzdem kann und soll WAI-ARIA schon produktiv eingesetzt werden.

Der Einsatz von WAI-ARIA Techniken verbessert die Zugänglichkeit. Der BITV-Test bewertet die praktische Zugänglichkeit. Es wäre nicht nachvollziehbar, wenn der Einsatz von Techniken zur Verbesserung der Zugänglichkeit im BITV-Test zu Punktabzügen führen würde.

Für die Bewertung im BITV-Test bedeutet das: Wenn die Fehler bei der Validierung ausschließlich durch die Verwendung von WAI-ARIA Techniken entstehen gilt der Prüfschritt als erfüllt (Beispiele für Fehlermeldungen: "Attribute "ROLE" is not a valid attribute" oder "Attribute "ARIA-..." is not a valid attribute").

Links zum Thema:

Neu: Prüfschritt 1.1.4 "Alternativen für CAPTCHAs"

Das Thema CAPTCHAs und die damit verbundenen Zugänglichkeitsprobleme wurden natürlich auch schon in der Vergangenheit im BITV-Test berücksichtigt. Zum Beispiel beim Thema Alternativtexte. Allerdings wurden CAPTCHAs bislang nicht explizit in der Dokumentation der Prüfschritte erwähnt. Der neue Prüfschritt soll der wachsenden Verbreitung von CAPTCHAs Rechnung tragen und natürlich auch der Angleichung des BITV-Tests an die WCAG 2.0 dienen.

Der Prüfschritt ist nur für bildbasierte CAPTCHAs anwendbar. Wir prüfen, ob der Alternativtext eines bildbasierten CAPTCHAs den Zweck des CAPTCHAs beschreibt und angibt, wo eine nicht bildbasierte Alternative zu finden ist. Eine nicht bildbasierte CAPTCHA-Alternative muss vorhanden sein, zum Beispiel ein akustisches CAPTCHA oder ein Frage-CAPTCHA, also eine leicht zu beantwortende Frage, deren Antwort eingegeben werden kann.

Der neue Prüfschritt 1.1.4 "Alternativen für CAPTCHAs" ersetzt den Prüfschritt 1.2.1 "Alternativen für serverseitige Imagemaps"

Nicht mehr im BITV-Test: Prüfschritt 1.2.1 "Alternativen für serverseitige Imagemaps"

Der Prüfschritt 1.2.1 "Alternativen für serverseitige Imagemaps" war in den Prüfungen, die wir in den letzten Jahren durchgeführt haben, praktisch immer "nicht anwendbar". Da serverseitige Imagemaps offensichtlich kaum noch eingesetzt werden, haben wir vor, den Prüfschritt zu streichen.

Das Problem bei der Verwendung serverseitiger Imagemaps ist die fehlende Möglichkeit zur Tastaturbedienung. Dieses Thema behandelt der BITV-Test im Prüfschritt 9.2.1 "Auch ohne Maus nutzbar". Falls also wider Erwarten doch noch serverseitige Imagemaps eingesetzt werden, bleiben die damit zusammenhängenden Zugänglichkeitsprobleme auch weiterhin im BITV-Test nicht unentdeckt.

Kleine Änderungen und Klarstellungen

Prüfschritt 1.1.2 "Alternativtexte für Grafiken und Objekte"

Dieser Prüfschritt wurde erweitert um das Thema Nicht-Text-Elemente, die eine spezifische Sinneserfahrung vermitteln. Gemeint sind damit Elemente, die keinen klar übersetzbaren Informationsgehalt haben, in ihrer Wirkung aber auch nicht dekorativ sind. Der Alternativtext soll ihren Inhalt bezeichnen (etwa "Abstraktes Gemälde von Piet Mondrian", oder für eine Sound-Datei "Der Ruf der Dohle").

Prüfschritt 1.3.1 "Audiodeskription für Videos"

Im Neuentwurf des Prüfschritts wird ein Fall beschrieben, bei dem die Audiodeskription für Videos nicht gefordert wird. Verzichtbar ist die Audiodeskription für Videos, die lediglich als Videoalternative für einen textbasierten Inhalt dienen, das heißt ergänzend zu einem Text angeboten werden, um den Textinhalt zusätzlich in anderer Form zu vermitteln. Dies gilt nur für Videos, die keine über den Textinhalt hinausgehenden Informationen bieten und die klar als Videoalternative zum Text erkennbar sind.

Prüfschritt 1.4.1 "Videos mit Untertiteln"

Auch hier gilt die unter 1.3.1 "Audiodeskription für Videos" beschriebene Ausnahme: Verzichtbar sind Untertitel für Videos, die lediglich als Videoalternative zu einem textbasierten Inhalt dienen.

Prüfschritt 3.3.1 "Stylesheets für die Positionierung verwendet"

Im Neuentwurf dieses Prüfschritts wurde die bislang geltende Ausnahmeregelung für die Positionierung von Formularelementen mit Hilfe von Layouttabellen gestrichen. Diese Regelung stammt noch aus einer Zeit, in der die Positionierung von Formularelementen wegen mangelhafter CSS-Unterstützung in den Browsern oftmals problematisch war. Mittlerweile ist das aber unproblematisch und es gibt keinen Grund mehr, Formulare mithilfe von Layouttabellen zu positionieren.

Prüfschritt 3.6.1 "HTML-Strukturelemente für Listen"

Die Änderungen in diesem Prüfschritt sind lediglich Klarstellungen. Wir beschreiben, welche Inhalte nicht als HTML-Listen ausgezeichnet werden sollen. Das betrifft:

  • Die "Sie-sind-hier"-Navigation am Seitenanfang (auch breadcrumb trail oder Krümelpfad)
  • Die horizontale Seitenauswahl am Kopf- und Fußende, etwa bei mehrseitigen Artikeln
  • Alphabetische Auswahlbalken (A-Z), etwa bei Glossaren
  • Gruppen von verschiedenartigen Links am Seitenende mit drei oder weniger Elementen (etwa: "Copyright-Notiz" und "Impressum")
Prüfschritt 12.1.1 "Frames mit Titel"

Die Änderungen in diesem Prüfschritt werden schon in seinem neuen Namen deutlich. Statt "Frames mit Titel und Name" heißt der Prüfschritt nun "Frames mit Titel". Für die Orientierung und Navigation in Framesets oder bei der Nutzung eingebetteter iFrames werden nur noch aussagekräftige title-Attribute für die einzelnen Frames gefordert. Mittlerweile unterstützen alle Hilfsmittel das title-Attribut. Ein Rückgriff auf das name-Attribut ist deshalb nicht mehr notwendig.

Prüfschritt 12.4.1 "Label mit Formularelementen verknüpft"

In diesem Prüfschritt wurde bislang nicht beschrieben, wie bewertet werden soll, wenn der Einsatz von label-Elementen nicht möglich oder sinnvoll ist. Das betrifft zum Beispiel sehr einfache Formulare oder mehrteilige Eingabeelemente, die nur eine Beschriftung haben. In Anlehnung an die dafür in der WCAG 2.0 beschriebenen Techniken haben wir die Prüfschrittbeschreibung für diese Fälle erweitert.

Einordnung der Prüfschritte nach WCAG 2.0

Die folgenden Prüfschritte haben sich inhaltlich nicht verändert. Hier wurde in der Prüfschrittbeschreibung lediglich eine Einordnung nach den WCAG-2-Richtlinien hinzugefügt. Bei einigen Prüfschritten haben sich auch die Testwerkzeuge geändert.

Keine Änderungen

Fünf Prüfschritte bleiben, abgesehen von Anpassungen der Testwerkzeuge, unverändert. In diesen Fällen widersprechen sich die Anforderungen der aktuell geltenden BITV mit den WCAG-2-Anforderungen oder es ist keine Einordnung nach den WCAG-2-Richtlinien möglich. Eine Überarbeitung dieser Prüfschritte wird erfolgen, wenn die derzeit in Arbeit befindliche neue BITV 2.0 in Kraft tritt.