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Überarbeitung von Prüfschritten im Jahr 2007

Die meisten Änderungen von 2007 betreffen eher Details des Prüfverfahrens, haben für Webanbieter oder Webentwickler keine große Bedeutung. Von allgemeinerem Interesse sind die Verfahrensänderungen zum richtigen Aufbau von Datentabellen, zum Tastaturfokus und zur Tabulatorreihenfolge.

Am 31. Mai 2007 sind die im folgenden beschriebenen Änderungsvorschläge in Kraft getreten.

Kommentare, Kritik und Anregungen schicken Sie bitte an: team@bitvtest.de

Liste der Prüfschritte, zu denen Änderungen erfolgt sind:

1.1.1 - Alternativtexte für Bedienelemente

Alternativtexte sollen die Aufgabe des Bildes übernehmen. Bei grafischen Links wird daher meist das Linkziel angegeben. In manchen Fällen sind aber auch Informationen zum abgebildeten Gegenstand erforderlich. Eine neue Frage/Antwort dazu:

Sollte der Alternativtext für grafische Bedienelemente auch sagen, was abgebildet ist?


2.2.2 und 2.3.1 - Helligkeitskontraste

Ausgeblendete Elemente

Ergänzender Hinweis bei den Prüfschritten 2.2.2 - Kontraste von Grafiken und 2.3.1 - Kontraste von Text:

Schwache Kontraste können zweckmäßig sein, sie können den Umgang mit einer Webseite erleichtern. Ein Beispiel dafür: Funktionen, die prinzipiell vorgesehen, aktuell aber nicht verfügbar sind, werden schwach kontrastierend dargestellt. Das ist akzeptabel, wenn das ausgeblendete Element für die Orientierung und Bedienung nicht erorderlich ist. Der Prüfschritt ist daher auf die Beschriftungen ausgeblendeter, deaktivierter Bedienelemente in der Regel nicht anwendbar.

Kontrast des Tastaturfokus

Die Mindestanforderungen an den Maus- oder Tastaturfokus in Prüfschritt 2.3.1 - Kontraste von Text sollen verändert werden.

Das aktuelle Prüfverfahren enthält folgenden Hinweis:

Die einzige Ausnahme, weil hier der gezielte Wechsel zwischen den beiden Zuständen verhältnismäßig einfach ist: die Hervorhebung des Maus- oder Tastaturfokus. Hier soll zunächst geprüft werden, in welchem Zustand (im Fokus/nicht im Fokus) der Helligkeitskontrast besser ist. Nur dieser in Hinblick auf den Helligkeitskontrast bessere Zustand wird bewertet.

Das ist nicht ganz korrekt. Richtig ist, dass der Wechsel des Zustands (angesteuert / nicht angesteuert) per Maus relativ einfach ist. Per Tastatur ist der Wechsel der beiden Zustände aber umständlicher und unter Umständen nicht möglich. Denn damit das angesteuerte Element nicht mehr im Fokus ist, muss der Benutzer das nächste oder das vorherige aktivierbare Element bewegen, das kann den im Browserfenster sichtbaren Bereich der Seite verschieben, im ungünstigen Fall befindet sich das im angesteuerten Zustand nicht lesbare Element nicht mehr im sichtbaren Bereich.

Deswegen soll eine Minimalanforderung an den Helligkeitskontrast des zweiten Zustandes festgelegt werden. Die Neufassung des zitierten Abschnitts:

Die einzige Ausnahme, weil hier der gezielte Wechsel zwischen den beiden Zuständen verhältnismäßig einfach ist: die Hervorhebung des Maus- oder Tastaturfokus. Hier soll zunächst geprüft werden, in welchem Zustand (im Fokus/nicht im Fokus) der Helligkeitskontrast besser ist. Dieser in Hinblick auf den Helligkeitskontrast bessere Zustand muss den allgemeinen Grenzwert erfüllen. Der Helligkeitskontrast des zweiten Zustande muss über 95 liegen.

Und die entsprechende Ergänzung der Definition von "Erfüllt":

Der Wert für den Helligkeitsunterschied zwischen Vorder- und Hintergrundfarbe liegt für Haupttexte im Hauptinhaltsbereich über 125, für die sonstigen Texte über 110. Der Helligkeitskontrast des schlechteren Zustands des Maus- oder Tastaturfokus liegt über 95.


3.5.1 - Auszeichnung von Überschriften

Vorgeschlagen wird eine Korrektur der Definition von "erfüllt" des Prüfschritts 3.5.1.

Am besten ist es, wenn alle Inhalte einer Webseite einschließlich der Navigation durch die Überschriften geordnet und erschlossen sind. Für die Navigation werden im BITV-Test aber auch Sprunglinks als Ersatz akzeptiert. Folgendermaßen ist dieser Fall formuliert:

Erfüllt: Alle Inhalte der Seite mit Ausnahme der Navigation sind über die Überschriften zugänglich. Die Navigation kann mit am Seitenanfang eingefügten Sprunglinks angesteuert oder übersprungen werden.

Die Formulierung ist nicht ganz korrekt, denn ein am Anfang der Seite angeordneter Menübereich muss natürlich nicht per Sprunglink erschlossen werden. Die entsprechende Korrektur:

Erfüllt: Alle Inhalte der Seite mit Ausnahme der Navigation sind über die Überschriften zugänglich. Bestandteile der Navigation (Hauptmenü, Bereichsmenü, Servicemenü) sind am Seitenanfang angeordnet oder über Sprunglinks direkt ansteuerbar.


4.1.1 - Anderssprachige Wörter ausgezeichnet

Korrektur des Verfahrens von Prüfschritt 4.1.1 - Anderssprachige Wörter ausgezeichnet:

Anstelle des "Großen Wörterbuchs der Deutschen Sprache" soll das "Deutsche Universalwörterbuch" als Referenz verwendet werden.

Neue Frage/Antwort: Warum müssen im Duden aufgenommene Fremdwörter nicht ausgezeichnet werden?


5.1.1 - Datentabellen richtig aufgebaut

Der Prüfschritt ist zu formal gefasst. Zur richtigen Gestaltung von Tabellen gehört nicht nur die Auszeichnung der Überschriften. Sondern es muss auch darauf geachtet werden, dass die Tabellen insgesamt sinnvoll strukturiert sind.

Begründung (aus der Neufassung des Prüfschritts):

Visuell orientierte Personen nutzen für die Orientierung in einer Datentabelle neben den Überschriften wenn nötig auch den Wertebereich. Es ist für sie daher relativ leicht möglich, strukturelle Mängel, zum Beispiel Wechsel in der Bedeutung von Zeilen oder Spalten zu erkennen und mit ihnen umzugehen.

Sehbehinderte und blinde Benutzer erschließen sich das Angebot von Datentabellen dagegen eher analytisch. Sie entwickeln ausgehend von den Überschriften und anderen im Kontext verfügbaren Informationen eine Vorstellung vom Aufbau der Tabelle. Diese Vorstellung ist die Grundlage für den Zugriff auf die angebotenen Daten.

Damit das möglich ist und funktioniert, müssen zwei Bedingungen erfüllt sein:

  1. Die Tabelle muss eine klare Struktur haben, die Bedeutung der Zeilen und Spalten muss fassbar sein und sie muss möglichst gut den Überschriften oder unterstützenden Kontextinformationen zu entnehmen sein.
  2. Die Überschriften müssen auffindbar sein und es muss klar sein, auf welche Daten sie sich beziehen, sie müssen also korrekt ausgezeichnet sein.

Die klare Struktur ist die Grundlage der Barrierefreiheit von Datentabellen. Es ist nicht möglich, eine mangelhaft strukturierte Datentabelle durch spezielle Auszeichnung barrierefrei zugänglich zu machen.

Strukturmängel ergeben sich meist daraus, dass das Raster von Datentabellen zugleich auch für die Anordnung von Inhalten verwendet wird. Denn die Anforderungen an Daten- und Layouttabellen sind widersprüchlich:

Bei Layouttabellen kommt es darauf an, dass die Inhalte linear nutzbar sind. Die Reihenfolge steht fest, benachbarte Zellen gehören zusammen. Anders bei Datentabellen: da sollen die Inhalte auf Grundlage der zugeordneten Überschriften, unabhängig vom Inhalt benachbarter Zellen zu nutzen sein.

Zu vermeiden sind Mischungen zwischen Daten- und Layouttabellen, die zwar am Bildschirm verständlich sind, aber keine klare logische Struktur haben.

Die Bezeichnung des Prüfschritts soll entsprechend geändert werden in: "Datentabellen richtig aufgebaut".

Neufassung von Prüfschritt 5.1.1

Neue Frage/Antwort: Der Aufbau von Datentabellen kann unter Umständen nicht einfach verändert werden. Wie kann die Barrierefreiheit trotzdem sichergestellt werden?


5.2.1 - Zuordnung von Zellen in komplexen Tabellen

Prüfschritt 5.2.1 wird bislang nur auf komplexe Tabellen angewendet. Vorgeschlagen wird, ihn auf alle Datentabellen anzuwenden.

Begründung (aus der Neufassung des Prüfschritts):

In der Praxis sind manchmal auch einfache Datentabellen mit headers- und id-Attributen ausgezeichnet. Screenreader richten sich dann nicht nach allgemeinen Regeln, sondern nach der vorliegenden Auszeichnung. Deshalb muss die Auszeichnung auch dann richtig sein, wenn sie eigentlich nicht nötig wäre. Denn bei falscher direkter Zuordnung von Datenzellen werden die Überschriften nicht oder fehlerhaft ausgegeben.

Die korrekte Zuordnung mit headers und id soll geprüft werden:

  1. wenn sie genutzt werden (auch wenn sie eigentlich nicht gebraucht werden)
  2. wenn sie gebraucht werden (bei komplexen Tabellen)

Die Bezeichnung des Prüfschritts soll entsprechend geändert werden in: "Zuordnung von Tabellenzellen".

Neufassung von Prüfschritt 5.2.1


7.2.1 und 7.3.1 - Blinken und Bewegung

Abgrenzung der Prüfschritte

Die Abgrenzung der Prüfschritte  7.2.1 Verzicht auf Blinken und  7.3.1 Verzicht auf bewegte Inhalte ist undeutlich. Einerseits bezieht sie sich auf die Art der Veränderung (Blinken, Bewegung), andererseits auf den Gegenstand (bewegte Inhalte). In den typischen Fällen ist dies unproblematisch:

  • blinkende Werbung gehört eindeutig in Prüfschritt 7.2.1
  • ein Ticker mit Laufschrift gehört eindeutig in Prüfschritt 7.3.1

Es gibt aber auch sich bewegende Werbung und blinkende Inhalte, in diesen Fällen ist die Zuordnung unklar. Daher sollen die Prüfschritte anders voneinander abgegrenzt werden:

  • Prüfschritt 7.2.1 betrifft die Ablenkung des Benutzers durch blinkende oder bewegte Seitenelemente.
  • Prüfschritt 7.3.1 betrifft die Lesbarkeit von blinkenden oder bewegten Inhalten.

Auf Werbung und andere nicht zum Inhalt der Seite zu rechnende Elemente ist also nur Prüfschritt 7.2.1 anzuwenden. Auf Laufschrift ist dagegen Prüfschritt 7.3.1 und - wenn die Bewegung ablenkend ist - zusätzlich Prüfschritt 7.2.1 anzuwenden.

Einfrieren von Blinken oder Bewegung

Im Abschnitt "Warum wird das geprüft?" der Prüfschritte 7.2.1 und 7.3.1 steht:

Bei einigen neueren Browsern kann der Benutzer bewegte Inhalte bei Bedarf leicht einfrieren. Der Microsoft Explorer bietet diese Möglichkeit jedoch nicht. Daher ist dieser Prüfschritt nach wie vor erforderlich.

Das ist als Begründung der Relevanz der Prüfschritte ungenügend, denn die technische Möglichkeit des Einfrierens von Blinken oder Bewegungen reicht nicht aus. Der Text soll durch den folgenden Text ersetzt werden:

In den meisten Browsern kann der Benutzer Blinken oder Bewegung bei Bedarf einfrieren (z.B. durch Drücken der esc-Taste bei animierten GIFs oder durch Deaktivieren von Javascript bei Javascript-Tickern). Der gewöhnliche Besucher von Webseiten ist mit solchen Funktionen aber nicht vertraut. Entsprechende Schaltflächen auf der Seite sind normalerweise ebenfalls nicht geeignet, weil sie nicht auffällig genug sind oder als Teil der Werbung verstanden werden. Eine bessere Lösung: die Bewegung hört nach einer festgelegten Zeitspanne von selbst auf.

Neufassung von Prüfschritt 7.2.1

Neufassung von Prüfschritt 7.3.1


9.3.1 Tastaturfokus

In der aktuellen Version des Prüfschritts wird die Hervorhebung von per Maus angesteuerten Elementen als Maßstab für den Tastaturfokus genommen. Der Tastaturfokus soll nicht schlechter sein, die Webseite soll in diesem Sinne geräteunabhängig bedienbar sein.

Gegen dieses Verfahren spricht:

  1. Ein deutlicher Tastaturfokus ist wichtiger als ein deutlicher Mausfokus. Denn der Benutzer kann den Mauszeiger gezielt auf möglicherweise aktivierbare Bereiche steuern. Die Reaktion der Webseite auf Kommandos zur Bewegung des Tastaturfokus ist dagegen vom Benutzer nicht steuerbar.
  2. Es ist schwer zu akzeptieren, dass eine Seite, die weder den Maus- noch den Tastaturfokus hervorhebt, besser bewertet wird als eine Seite, die wenigstens den Mausfokus hervorhebt.

Deswegen soll der Maßstab geändert werden: neben dem Mausfokus soll bei der Bewertung auch die ungestylte Darstellung des Tastaturfokus berücksichtigt werden.

Für die Entwicklung bedeutet das: In den meisten Browsern wird der Tastaturfokus mit einer gestrichelten Rahmenlinie hervorgehoben. In der üblichen ungestylten Ausgabe auf weißem oder hellem Hintergrund ist das gut sichtbar. Wenn in der gestylten Ausgabe Bereiche der Webseite einen dunklen Hintergrund haben, muss dafür gesorgt werden, dass der Tastaturfokus vor diesem Hintergrund mindestens ebenso gut sichtbar ist (zum Beispiel durch einen Farbwechsel des Linktexts und/oder des Linkhintergrunds).

Neufassung von Prüfschritt 9.3.1


9.4.1 - Tabulatorreihenfolge

Die Tabulatorreihenfolge ist schwer nachzuvollziehen, wenn sie über unsichtbare ausführbare Elemente geht. Das betrifft insbesondere aufeinander folgende nicht sichtbare Sprunglinks. Dieser Fall soll bei der Prüfung ausdrücklich einbezogen werden.

Der Prüfschritt soll als "nicht voll erfüllt" bewertet werden, wenn der Tastaturfokus über mehr als drei aufeinanderfolgende Stationen im Browserfenster nicht sichtbar ist.

Für die Entwicklung bedeutet das: die Zahl der Sprunglinks muss verringert werden oder die Sprunglinks müssen sichtbar gemacht werden.

Siehe: Prüfschritt 9.4.1, Abschnitt Änderungen


11.1.1 - Angemessene Formate

PDFs

Genauere Vorgaben für die Auswahl der zu prüfenden PDF-Dokumente: nicht ausgewählt werden sollen PDFs, die als Druckversionen für HTML-Seiten dienen, die Auswahl soll repräsentativ sein, wenn nötig sollen einige Dokumente einer oberflächlichen Vorprüfung unterzogen werden.

Die Bewertung der geprüften PDF-Dokumente soll an die Bewertung von HTML-Seiten angepasst werden: Abbruchkriterien bleiben, Mängel, die nicht zum Abbruch der Prüfung führen, werden summiert.

Die Gesamtbewertung der geprüften PDF-Dokumente soll an die Gesamtbewertung von auf einzelne HTML-Seiten anzuwendende Prüfschritte angepasst werden: Summe der Bewertungen geteilt durch Anzahl der geprüften Dokumente

Neufassung von Prüfschritt 11.1.1

Zwei neue Fragen/Antworten:

MS-Word-Dateien

Es soll klargestellt werden, wann MS-Word-Dateien als "Arbeitsmaterialien" eingeordnet werden können:

Für die Einstufung als Arbeitsmaterialien kommt es nicht darauf an, ob ein Dokument theoretisch auch als Arbeitsmaterial genutzt werden könnte. Sondern es muss aus dem Kontext, in dem das Dokument angeboten wird, klar hervorgehen, dass es nicht zum Lesen, sondern als Material für die Weiterverarbeitung vorgesehen ist.


11.2.1 - Veraltete Elemente und Attribute

Bei der Bewertung sollen die praktischen Konsequenzen der Verwendung veralteter Attribute berücksichtigt werden.

Vorschlag für Definition der Bewertungsstufen: Prüfschritt 11.2.1, Abschnitt Änderungen


13.4.2 - Orientierung

Der Prüfschritt zur Orientierung im Webauftritt kann auch auf Webanwendungen angewendet werden. Das Verfahren soll entsprechend allgemeiner gefasst oder ergänzt werden.

Die vorgeschlagenen Ergänzungen: Prüfschritt 13.4.2, Abschnitt Änderungen


BITV-Test Verfahren

Die Liste der Prüfschritte, bei denen das Gesamtergebnis abgewertet werden kann, (Abschnitt 9.4.) wird um zwei Prüfschritte ergänzt:

Bei insgesamt 20 Prüfschritten kann also jetzt das Gesamtergebnis auf "eingeschränkt zugänglich" oder auf "schlecht zugänglich" abgewertet werden.


Werkzeugliste

Auch die Werkzeugliste soll aktualisiert werden: Neue Version der Werkzeugliste