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BITV (Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung)
Die BITV zu Textversionen

03.04.2006

Früher wurde beim barrierefreien Internet hauptsächlich an Blinde gedacht. Das war auch nicht abwegig, denn für Blinde ist die Zugänglichkeit von Internetseiten tatsächlich besonders wichtig und besonders schwierig.

Heute hat sich aber ein umfassenderes Verständnis von Barrierefreiheit durchgesetzt. Webseiten sollen auch für Menschen gut zugänglich sein, die schlecht hören, schlecht sehen, nicht gut lesen können oder in irgend einer anderen Hinsicht besondere Anforderungen stellen.

Alternative Textversionen sind gut für Blinde, für viele andere Besucher mit besonderen Anforderungen sind sie nicht hilfreich. Und es gibt noch einen zweiten Grund, weshalb Textversionen heute nicht mehr als der richtige Weg zur Barrierefreiheit angesehen werden. Behinderte wollen keine Sonderlösungen, die nur für sie gemacht, vielleicht unvollständig und umständlich zu finden sind. Die normalen Seiten von Webangeboten sollen für alle zugänglich sein.

Die Richtlinien der Web Accessibility Initiative (WAI) fordern daher bereits seit 1999, alternative Nur-Text-Seiten nur dann zu verwenden, wenn es tatsächlich keine andere Möglichkeit gibt, die Barrieren auf der Original-Webseite zu beseitigen. Aus der deutschen Übersetzung:

Entwickler von Inhalten sollten nur dann auf alternative Seiten zurückgreifen, wenn alle anderen Lösungen fehlschlagen, weil alternative Seiten im Allgemeinen seltener aktualisiert werden als "primäre" Seiten. (...) Bevor Sie auf alternative Seiten zurückgreifen, überdenken Sie das Design der Originalseite; sie zugänglich zu machen verbessert sie wahrscheinlich für alle Benutzer.

Quelle: WCAG 1.1, Checkpunkt 11.4

Das deutsche Behindertengleichstellungsgesetz vom Mai 2002 folgt dieser Linie. Sonderlösungen sind nicht vorgesehen:

Internetangebote und grafische Programmoberflächen müssen in allgemein üblicher Weise und ohne fremde Hilfe nutzbar sein.

Quelle: BGG, § 11 Abs. 1

Alternative Textversionen akzeptiert die Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung (BITV) daher nur als zeitweise Notlösung:

Soweit auch nach bestem Bemühen die Erstellung eines barrierefreien Internetangebots nicht möglich ist, ist ein alternatives, barrierefreies Angebot zur Verfügung zu stellen, das äquivalente Funktionalitäten und Informationen gleicher Aktualität enthält, soweit es die technischen Möglichkeiten zulassen. Bei Verwendung nicht barrierefreier Technologien sind diese zu ersetzen, sobald aufgrund der technologischen Entwicklung äquivalente, zugängliche Lösungen verfügbar und einsetzbar sind.

Quelle: BITV, oberste Prioritätsstufe, Bedingung 11.3

Uns ist kein Fall bekannt, in dem Textversionen erforderlich sind, weil das Webangebot anders nicht zugänglich gemacht werden kann. Webangebote mit Textversionen erfüllen daher nicht die Anforderungen der BITV.