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Fragen und Antworten zum BITV-Test

Hier finden Sie Antworten auf Fragen zur Konzeption und zur Durchführung des BITV-Tests. Haben Sie selbst eine Frage zum BITV-Test? Dann schreiben Sie bitte an kontakt@bitvtest.de!

Die Fragen:

Wie zuverlässig ist ein entwicklungsbegleitender BITV-Test?
Wir haben einen entwicklungsbegleitenden Test durchführen lassen und die aufgezeigten Mängel auf Grundlage des Prüfberichts behoben. Ist das positive Ergebnis eines abschließenden BITV-Tests damit sichergestellt?

Besser als das vorangegangene Ergebnis wird das Ergebnis des abschließenden Tests sicher sein. Jedenfalls wenn die beiden folgenden Bedingungen erfüllt sind:

  • Die aufgezeigten Mängel sind umfassend behoben, die Überarbeitung beschränkt sich nicht auf die für die Prüfung ausgewählten Seiten oder auf die im Prüfbericht angegebenen Elemente.
  • Die Überarbeitung orientiert sich an den Zielsetzungen des Prüfschritts, den Entwicklern ist klar, weshalb im Prüfbericht etwas kritisiert worden ist und warum sich durch die Behebung aufgezeigter Mängel die Zugänglichkeit des Webangebotes verbessert.

Das genaue Ergebnis eines anschließenden BITV-Tests ist damit aber noch nicht sichergestellt. Und zwar aus folgenden Gründen:

  • Im abschließenden BITV-Test werden nicht dieselben Seiten zur Prüfung ausgewählt. Unter Umständen werden auch mehr Seiten geprüft, weil die Zahl der im entwicklungsbegleitenden Test geprüften Seiten nicht für eine sichere, abschließende Bewertung ausreicht.
  • Der abschließende BITV-Test ist erheblich aufwendiger als der entwicklungsbegleitende BITV-Test. Den entwicklungsbegleitende Test führt ein Prüfer allein durch. In abschließenden Tests sind dagegen immer zwei Prüfer beteiligt. Vier Augen sehen mehr als zwei, entsprechend werden weitere Mängel gefunden oder Sachverhalte anders bewertet.
  • Überarbeitungen haben Seiteneffekte. Gerade wenn die Überarbeitung sich sehr eng am Prüfbericht orientiert und die Entwickler nicht mit allen Anforderungen des BITV-Test vertraut sind, kommt es oft zu "Verschlimmbesserungen".
  • Wenn klar ist, dass ein Prüfschritt für eine Seite nicht erfüllt ist, dann ist die Prüfung (für diese Seite) abgeschlossen. Es wird nicht geprüft, ob weitere, eventuell andersartige Mängel vorhanden sind, die auch zu einer negativen Bewertung führen würden.

Links dazu:

(18.04.2006)


Wer hat eigentlich die Punktgrenzen von 90 oder 95 Punkten festgelegt?
Könnte man nicht genauso gut festlegen, dass ein Webangebot beispielsweise schon mit 85 Punkten "gut zugänglich" ist?

In der BITV ist nicht verbindlich festgeschrieben, wann eine Anforderung oder Bedingung der Verordnung als erfüllt gelten soll und wann ein Webauftritt als im Sinne der BITV "gut zugänglich" bezeichnet werden soll. Und es ist auch fraglich, ob eine alle paar Jahre zu überarbeitende Verordnung das überhaupt leisten kann. Die Punktgrenze von 90 Punkten ist also von BIK festgelegt worden. Allerdings gibt es ein einfaches Kriterium für die richtige Festlegung:

Die Punktgrenze muss akzeptabel sein.

Und zwar zunächst mal für Webanbieter. Wenn sich kein Webanbieter an der Punktgrenze orientiert, weil sie als unerreichbar eingeschätzt wird, dann hat sie keine praktische Wirksamkeit. Sie ist zu hoch.

Und auch für die Nutzer muss die Punktgrenze akzeptabel sein. Wenn bei den behinderten Benutzern die Meinung vorherrscht, dass eine Bewertung als "gut zugänglich" zu einfach zu haben ist, dann ist die Grenze möglicherweise zu niedrig.

Wie steht es also um die Akzeptanz der Punktgrenzen des BITV-Tests?

Webanbieter und Webdesigner orientieren sich an den Punktgrenzen, sie sind also praktisch wirksam.

Auch Beschwerden über allgemein zu gute Ergebnisse gibt es schon seit längerem nicht mehr. Ende 2004 war unsere Bewertung von arbeitsagentur.de in der Diskussion. Kurz gesagt ging es darum, dass ein allgemein nicht gut nutzbares Webangebot auch in Sachen Barrierefreiheit kein gutes Ergebnis haben sollte. Wir haben das Püfverfahren Anfang 2005 entsprechend überarbeitet. Gelegentlich wird vorgeschlagen, zusätzliche Anforderungen einzubeziehen oder einzelne Anforderungen anders zu gewichten. Aber das betrifft nicht die Gesamtbewertungen.

Die Punktgrenzen sind also offenbar richtig festgelegt.

Links dazu:

(27.03.2006)


Muss Werbung auch barrierefrei sein?

Werbung wird gegen Bezahlung auf Webseiten untergebracht, sie gehört nicht zum eigentlichen Informationsangebot. Werbung wird daher grundsätzlich nicht in die Prüfung einbezogen. Allerdings:

1. Die Werbung darf die Nutzung nicht beeinträchtigen.

Werbung kann die Nutzung anderer Bereiche der Webseite beeinträchtigen. Sie kann zum Beispiel durch Blinken oder durch Bewegung versuchen, die Aufmerksamkeit des Besuchers auf sich zu lenken. In diesem Sinne, als mögliche Störung gehört sie zum Webangebot immer dazu. Der Prüfschritt zu blinkenden Elementen unterscheidet also zum Beispiel nicht zwischen Werbung und anderen Seiteninhalten. Und auch der Prüfschritt zur Validität unterscheidet nicht zwischen Werbung und anderen Seiteninhalten.

2. Die Werbung muss deutlich abgegrenzt sein.

Der Werbende ist häufig daran interessiert, dass seine Werbung nicht als solche erkennbar ist. Der Besucher soll den Eindruck haben, dass die Werbung zum Webangebot dazu gehört. Es ist dann Sache des Betreibers, deutlich zu machen, wo sein Bereich aufhört und die Werbung anfängt. Er muss zum Beispiel den Bereich mit Werbung entsprechend kennzeichnen.

Aus Sicht der Barrierefreiheit ist diese Kennzeichnung besonders wichtig. Denn wenn die Werbung nicht deutlich abgegrenzt und der Inhalt der Werbung selbst nicht zugänglich ist, dann kann der Besucher nicht klären, ob ihm da ein möglicherweise wichtiger redaktioneller Inhalt entgeht oder nicht.

Der Betreiber muss also dafür sorgen, dass die Werbefläche deutlich abgegrenzt ist. Die Abgrenzung muss auch für Besucher erkennbar sein, die schlecht oder gar nicht sehen. Wenn dem Betreiber dies nicht gelungen ist, wenn die Grenze zur Werbung also nicht für alle deutlich ist, dann wird die Werbung als "normaler" Bestandteil der Webseite betrachtet und geprüft.

(10.03.2006)


Sollte man nicht besser die Barrierefreiheit von CMS prüfen?
Viele im BITV-Test geprüfte Anforderungen richten sich eigentlich eher an Autorenwerkzeuge. Sollte man nicht besser prüfen, ob solche Werkzeuge, insbesondere Redaktionssysteme, ihren Beitrag zur Barrierefreiheit leisten?

Richtig ist: Die Eignung der Redaktionssysteme ist häufig eine entscheidende Voraussetzung für Barrierefreiheit. Umfangreiche Webangebote mit wechselnden Inhalten können die Anforderungen der BITV nur mit entsprechender Unterstützung durch Redaktionssysteme einhalten. Wichtig ist das aber nur für die Herstellung, nicht für die Prüfung von Barrierefreiheit:

Für die Herstellung von Barrierefreiheit kommt es darauf an, dass das Redaktionssystem seinen Beitrag leistet. Der Anbieter muss klären, ob eine Anforderung der BITV im Fall seines Webangebotes den Webdesigner, das Redaktionssystem, den Redakteur oder auch Anbieter von Fremdinhalten betrifft. Es macht zum Beispiel keinen Sinn, die Verantwortung für die Validität größerer Webangebote den beteiligten Redakteuren zu übertragen.

Für die Prüfung der Barrierefreiheit ist es aber zunächst einmal egal, wer schuld ist. Das Ergebnis muss für alle zugänglich sein, der Webanbieter steht in der Verantwortung. Wenn das Ergebnis mangelhaft ist, muss er die Verantwortung klären. Wenn das eingesetzte Redaktionssystem nicht geeignet ist, muss er den Anbieter des Systems auffordern, entsprechende Funktionen nachzurüsten oder zu einem besser geeigneten System wechseln.

(14.10.2005)


Sollte die Prüfung nicht besser an Prozessen ansetzen?
Barrierefreiheit ist eine dauernde Aufgabe, sie ist nicht einmal erreicht und dann für immer sichergestellt. Der BITV-Test liefert aber nur eine Momentaufnahme. Wäre es nicht besser, zu klären, ob die Anforderungen der Barrierefreiheit zum Beispiel in den redaktionellen Abläufen angemessen einbezogen sind?

Ohne ein tragfähiges Konzept für die dauerhafte Sicherstellung von Barrierefreiheit geht es nicht. Der Webanbieter muss klären, worauf im Fall seines Webangebotes zu achten ist und er muss auch die erforderlichen Mittel für die Qualifikation von Mitarbeitern und die (unter Umständen zeitaufwändige) praktische Umsetzung der Barrierefreiheits-Anforderungen bereitstellen.

Für die Prüfung von Barrierefreiheit im engeren Sinn ist allerdings die Auseinandersetzung mit diesen Konzepten nicht zwingend erforderlich. Wenn ein schon längere Zeit betriebenes Webangebot in einer nicht angekündigten Prüfung gut abschneidet, dann kann man davon ausgehen, dass ein Konzept für die nachhaltige Barrierefreiheit vorhanden ist. Man weiß nicht, was in dem Konzept des Anbieters für nachhaltige Barrierefreiheit drin steht. Aber, was wichtiger ist: Das Konzept hat offenbar funktioniert. Es steht nicht nur auf dem Papier, sondern es ist auch erfolgreich umgesetzt worden.

Richtig ist allerdings: Bei neuen Webauftritten, die sich noch nicht im Alltagsbetrieb bewährt haben, ist ein gutes Ergebnis im BITV-Test noch keine Gewähr für dauernde Barrierfreiheit. Prüfungen müssen also ohne Absprache des Prüfzeitpunkts durchgeführt oder in regelmäßigen Abständen wiederholt werden. Auch ist es gut, wenn (wie im BITV-Test vorgesehen) alle Bewertungen offengelegt sind. Denn so kann ein Benutzer oder auch ein Konkurrent jederzeit nachprüfen, ob das alles noch so stimmt.

(14.10.2005)


Kann das Gesamtergebnis schlechter sein, als das Ergebnis der einzelnen Seiten?
Drei Seiten sind getestet worden, alle drei liegen über 90 Punkten. Da würde man erwarten, daß auch das Gesamtergebnis "gut" ist. Es ist aber deutlich schlechter. Wie kann das sein?

Allgemein gesagt: Das Gesamtergebnis der Prüfung ergibt sich nicht aus dem Durchschnitt der Seiten, sondern aus den Ergebnissen für die einzelnen Prüfschritte. Es gibt also keinen direkten Zusammenhang zwischen den Bewertungen einzelner Seiten und dem Gesamtergebnis.

In Abschnitt 7 der Beschreibung des BITV-Tests steht, wie das genau funktioniert. Und man kann auch in allen Prüfberichten nachvollziehen, wie aus der (seitenübergreifenden) Bewertung einzelner Prüfschritte das Gesamtergebnis einer Prüfung folgt.

In der Praxis ergibt sich das schlechtere Gesamtergebnis meist daraus, dass bestimmte Prüfschritte nicht auf alle geprüften Seiten anwendbar waren. Denn im Gesamtergebnis summieren sich dann die Punktabzüge verschiedener Seiten.

Ein Beispiel:

Insgesamt drei Seiten sind für die Prüfung ausgewählt worden.

Nur auf der ersten Seite gibt es ein Formular. Das Formular ist nicht barrierefrei, drei Punkte werden bei der ersten Seite also abgezogen. Sonst hat die Seite keine Mängel, sie erreicht also 100 - 3 = 97 Punkte.

Auf zwei Seiten gibt es Tabellen. Eine dieser Tabellen ist okay, die zweite, nicht barrierefreie Tabelle befindet sich auf der zweiten Seite. Drei Punkte werden deswegen für die Seite 2 abgezogen. Sonst hat die Seite keine Mängel, sie erreicht also ebenfalls 100 - 3 = 97 Punkte.

Auf der dritten Seite gibt es keine Mängel, sie erreicht 100 Punkte.

Im Durchschnitt erreichen die drei Seiten also 98 Punkte. Aber wie gesagt: Das Gesamtergebnis basiert nicht auf dem durchchnittlichen Ergebnis der Seiten, sondern auf den Ergebnissen für die einzelnen Prüfschritte:

Drei Punkte werden für das nicht barrierefreie Formular abgezogen. Denn Seiten ohne Formulare werden bei der Ermittlung des Gesamtergebnisses nicht berücksichtigt, das würde keinen Sinn machen. Auf den Seiten 2 und 3 gibt es keine Formulare, das mangelhafte Formular schlägt voll auf das Gesamtergebnis durch.

Außerdem werden 1,5 Punkte für die nicht barrierefreie Tabelle abgezogen. Denn auf einer der anderen geprüften Seite waren die Tabellen okay, der Prüfschritt ist also teilweise erfüllt.

Im Gesamtergebnis summieren sich die Mängel der ersten beiden Seiten, insgesamt 4,5 Punkte werden abgezogen, das Webangebot erreicht nur 95,5 Punkte.

(14.10.2005)