Navigation

Darstellung anpassen

Service-Menü

Sprachversionen

Suche



Inhalt

BITV-Test: Kurzvorstellung

Der BITV-Test ist ein Prüfverfahren für die umfassende und zuverlässige Prüfung der Barrierefreiheit von informationsorientierten Webangeboten.

Grundlage für den BITV-Test 1.0 ist die Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung (BITV), die Webangebote des Bundes seit 2006 auf Barrierefreiheit verpflichtet. Aufgrund der neue BITV 2.0, die am 22. September 2011 in Kraft getreten ist, gibt es entsprechend der neuen Verordnung einen neuen BITV-Test 2.0, der den alten Test ablöst.

Innerhalb einer gesetzlichen Übergangsfrist (bis 22. September 2011) ist für Webangebote, die bis zum 22.03.2012 fertiggestellt werden, die BITV 2.0 nicht zwingend anzuwenden und der alte BITV-Test 1.0 noch verfügbar. Wir empfehlen aber dringend, schon wegen der beschränkten zeitlichen Gültigkeit der Prüfung, den neuen Test zu nutzen.

Die rechtliche Grundlage: BITV

Die Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung (BITV) verpflichtet Webangebote des Bundes seit Anfang 2006 auf Barrierefreiheit. Webangebote von Einrichtungen, die im Bundesauftrag öffentliche Aufgaben wahrnehmen, sollen für behinderte Benutzer zugänglich sein. Solche Einrichtungen sind zum Beispiel Bundesämter, überregionale gesetzliche Krankenkassen, Stiftungen.

Basis der BITV sind die im Jahr 1999 veröffentlichten Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 1.0 der Web Accessibility Initiative (WAI). Diese Leitlinien sollen die universelle Zugänglichkeit von Webangeboten sicherstellen. Auch blinde, sehbehinderte, motorisch behinderte Benutzer sollen Zugang haben, der Zugang soll mit unterschiedlichen Browsern und anderen Geräten möglich sein, die Sprache der Webangebote soll angemessen einfach sein, kurz: Webangebote sollen für alle nutzbar sein.

Direkt unterworfen sind der Verordnung Einrichtungen des Bundes, aber ihre Wirkung geht viel weiter. Webagenturen und CMS-Anbieter müssen entsprechende Kompetenzen nachweisen, auch andere Webanbieter orientieren sich an der Verordnung: Sie setzt neue Maßstäbe für Qualität.

Der BITV-Test

Das Instrument für die Prüfung der Barrierefreiheit von informationsorientierten Webangeboten ist der Anfang 2004 veröffentlichte BITV-Test. Entwickelt wurde der Test vom Projekt BIK in enger Abstimmung mit Behindertenverbänden, Webdienstleistern und Experten für Barrierefreiheit. Grundlage des Tests sind die Anforderungen und Bedingungen der BITV. Beide Prioritätsstufen der Verordnung werden abgedeckt.

Der Test umfasst insgesamt 52 Prüfschritte. Zu jedem Prüfschritt gibt es ausführliche Erläuterungen, die sagen, was genau geprüft wird, warum das wichtig ist und wie in der Prüfung vorzugehen ist. Geprüft werden mindestens 3 repräsentative Seiten.

Die Prüfschritte sind gewichtet, sie tragen mit 1 bis 3 Punkten zum Gesamtergebnis von maximal 100 Punkten bei. Webauftritte, die mindestens 90 Punkte erreichen, werden als "gut zugänglich" bewertet, Webauftritte mit 95 oder mehr Punkten sind "sehr gut zugänglich".

Das Testverfahren ist vollständig offen gelegt. Bei veröffentlichten Tests sind auch sämtliche Einzelbewertungen zugänglich.

Umfang des Tests

Geprüft werden alle in der BITV abgedeckten Anforderungen an Barrierefreiheit:

  • Damit blinde Benutzer Zugang haben, müssen die Seiten vorlesbar sein. Wichtige Bedingungen dafür: brauchbare Textalternativen für Bilder, Linearisierbarkeit, Sprachauszeichnung. 11 Prüfschritte zielen auf Vorlesbarkeit.
  • Für sehbehinderte Benutzer ist es wichtig, dass die Darstellung auf dem Bildschirm deutlich und flexibel ist. Informationen sollen unabhängig von Farben verfügbar sein. Das Layout, insbesondere die Schriftgröße, soll variabel sein. 8 Prüfschritte zielen auf deutliche und flexible Darstellung.
  • Die Mausbedienung stellt hohe Anforderungen an Feinmotorik und Hand-Auge-Koordination. Für motorisch behinderte Benutzer kommt es darauf an, dass Webangebote vollständig mit der Tastatur bedienbar sind. 3 Prüfschritte zielen darauf.
  • Eine Grundbedingung der allgemeinen Zugänglichkeit von Webangeboten ist die Verständigung auf einfache, allgemein gültige Standards. Denn Geräte und Programme für Benutzer mit speziellen Anforderungen sind nicht in der Lage, eine Vielzahl konkurrierender Formate zu unterstützen - dafür ist der Markt zu klein. 5 Prüfschritte zielen auf die Unterstützung von Standards.
  • Ebenfalls eine allgemeine Bedingung der Zugänglichkeit von Webangeboten ist die Trennung von Inhalt und Darstellung. Der Aufbau von Webseiten muss unabhängig von der Darstellung verfügbar sein, die vorgesehenen Elemente für die Auszeichnung von Überschriften und Listen müssen eingesetzt werden. 9 Prüfschritte zielen auf die Trennung von Inhalt und Darstellung.
  • Webangebote sollen keine unnötigen Voraussetzungen an Geräte oder an Vorkenntnisse der Benutzer stellen. Sie sollen übersichtlich sein und dem Benutzer zeigen, was er gerade ausgewählt hat. Auch mit älteren Technologien soll man sie nutzen können. 8 Prüfschritte zielen auf die einfache Nutzbarkeit.
  • Das Web ist ein interaktives Medium. Der Benutzer wählt aus, Webangebote sollen ihn darin unterstützen. Inhalte sollen nicht ohne Zutun des Nutzers wechseln oder sich bewegen. Nicht angemessen sind spezielle Textversionen für blinde Benutzer. 6 Prüfschritte zielen auf diese Anforderungen.
  • Und schließlich ist Barrierefreiheit auch eine Sache der Verständlichkeit. Texte sollen einfach geschrieben und klar gegliedert sein, Fachwörter sollen erklärt werden. Ein Prüfschritt zielt auf Verständlichkeit.

Zuverlässigkeit des Tests

Das Ergebnis eines BITV-Tests basiert auf Einschätzungen. Dies ist kein Mangel des Tests; die Barrierefreiheit von Webangeboten hängt nicht allein von der Einhaltung formaler Regeln ab, ein aussagekräftiger Test muss also diese Grundlage haben.

Allerdings muss die Zuverlässigkeit sichergestellt werden. Testergebnisse sollen wiederholbar sein, unterschiedliche Prüfer sollen zu gleichen Ergebnissen kommen, um die Vergleichbarkeit und Nachprüfbarkeit zu gewährleisten.

  • Prüfbedingungen und Verfahren:
    Dafür wird zunächst der Rahmen gesetzt, in dem der Prüfer seine Einschätzung trifft. Das betrifft die Qualifikation des Prüfers, Kenntnisse und Erfahrungen in der Anwendung des Prüfverfahrens sind Bedingung. Das betrifft auch die Prüfumgebung. Festgelegt ist, welches Betriebssystem, welche Browser, welche speziellen Prüfprogramme im Einzelnen einzusetzen sind. Auch wichtig: die klare Abgrenzung des Prüfgegenstands.
  • Abstimmung von Entscheidungen:
    Die Prüfer sind in Teams eingebunden, mit den Vorgaben der Prüfverfahren nicht klar zu entscheidende Fälle werden dort diskutiert. Diese Auseinandersetzung ist zugleich Grundlage der kontinuierlichen Fortentwicklung der Prüfverfahren.
  • Vergleichbarkeit von Bewertungen:
    Das Prüfwerkzeug erlaubt den Zugriff auf alle vorangegangenen Bewertungen zu einzelnen Prüfschritten. Der Prüfer kann sich daran orientieren. Prüfer sollen Bewertungsspielräume in ähnlicher Weise nutzen, sie sollen Sachverhalte nicht "wohlwollend" oder "streng" einschätzen. Abschließende Prüfungen werden daher im Tandem von jeweils zwei Prüfern durchgeführt, die im ersten Schritt unabhängig voneinander bewerten und anschließend ihre Ergebnisse abstimmen.

Anwendung des Tests

Angewandt wurde der BITV-Test für die Ermittlung des Sonderpreises Barrierefreiheit des Deutschen Multimedia Awards 2004 und 2005, für monatliche Tests von wichtigen Webangeboten, für vergleichende Tests zum Beispiel der Webangebote von Zeitungen, Fluglinien und Ministerien. Insgesamt 450 Tests wurden von Mitarbeitern des Projektes BIK bislang durchgeführt.

Der BITV-Test ist auch Basis für die Zulassung in die Liste 90plus, einer Liste mit empfehlenswerten Dienstleistern, die nachweislich barrierefreie Webangebote entwickeln können.

Webanbieter und Entwickler können sich an den Anforderungen des BITV-Tests orientieren. Ein entsprechendes Werkzeug für die entwicklungsbegleitende Bewertung eigener Webangebote steht seit Juli 2005 zur Verfügung: die BITV-Selbstbewertung. Die Nutzung des Werkzeugs ist kostenlos. Es kann eingesetzt werden, wenn die Vergleichbarkeit von Bewertungen nicht im Vordergrund steht. Seit der Veröffentlichung des Werkzeugs wurden knapp 500 Selbstbewertungen durchgeführt.

Veröffentlicht am 31.01.2006